Altes Testament · 42 Kapitel
Hiob
Hiob 1
1Es war Mann im Lande Uz, sein Name war Hiob; und selbiger Mann war vollkommen und rechtschaffen und gottesfürchtig und das Böse meidend.
2Und es wurden ihm sieben Söhne und drei Töchter geboren.
3Und sein Besitztum bestand in siebentausend Schafen und dreitausend Kamelen und fünfhundert Joch Rindern und fünfhundert Eselinnen, und in sehr vielem Gesinde. Und selbiger Mann war größer als alle Söhne des Ostens.
4Und seine Söhne gingen hin und machten in dem Hause eines jeden ein Gastmahl an seinem Tage; und sie sandten hin und luden ihre drei Schwestern ein, um mit ihnen zu essen und zu trinken.
5Und es geschah, wenn die Tage des Gastmahls herum waren, so sandte Hiob hin und heiligte sie; und er stand des Morgens früh auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl; denn Hiob sprach: Vielleicht haben meine Kinder gesündigt und sich in ihrem Herzen von Gott losgesagt. Also tat Hiob allezeit.
6Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor Jehova zu stellen; und auch der Satan kam in ihrer Mitte.
7Und Jehova sprach zum Satan: Wo kommst du her? Und der Satan antwortete Jehova und sprach: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln auf ihr.
8Und Jehova sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn seinesgleichen ist kein Mann auf Erden, vollkommen und rechtschaffen, gottesfürchtig und das Böse meidend.
9Und der Satan antwortete Jehova und sprach: Ist es umsonst, daß Hiob Gott fürchtet?
10Hast du nicht selbst ihn und sein Haus und alles, was er hat, ringsum eingezäunt? Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitztum hat sich ausgebreitet im Lande.
11Aber strecke einmal deine Hand aus und taste alles an, was er hat, ob er sich nicht offen von dir lossagen wird.
12Da sprach Jehova zum Satan: Siehe, alles, was er hat, ist in deiner Hand; nur nach ihm strecke deine Hand nicht aus. Und der Satan ging von dem Angesicht Jehovas hinweg.
13Und es geschah eines Tages, als seine Söhne und seine Töchter im Hause ihres erstgeborenen Bruders aßen und Wein tranken,
14da kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten, und die Eselinnen weideten neben ihnen,
15da fielen Sabäer ein und nahmen sie weg, und die Knechte erschlugen sie mit der Schärfe des Schwertes; und ich bin entronnen, nur ich allein, um es dir zu berichten.
16Dieser redete noch, da kam ein anderer und sprach: Feuer Gottes ist vom Himmel gefallen und hat das Kleinvieh und die Knechte verbrannt und sie verzehrt; und ich bin entronnen, nur ich allein, um es dir zu berichten.
17Dieser redete noch, da kam ein anderer und sprach: Die Chaldäer haben drei Haufen gebildet und sind über die Kamele hergefallen und haben sie weggenommen, und die Knechte haben sie mit der Schärfe des Schwertes erschlagen; und ich bin entronnen, nur ich allein, um es dir zu berichten.
18Während dieser noch redete, da kam ein anderer und sprach: Deine Söhne und deine Töchter aßen und tranken Wein im Hause ihres erstgeborenen Bruders;
19und siehe, ein starker Wind kam von jenseit der Wüste her und stieß an die vier Ecken des Hauses, und es fiel auf die jungen Leute, und sie starben; und ich bin entronnen, nur ich allein, um es dir zu berichten.
20Da stand Hiob auf und zerriß sein Gewand und schor sein Haupt; und er fiel zur Erde nieder und betete an.
21Und er sprach: Nackt bin ich aus meiner Mutter Leibe gekommen, und nackt werde ich dahin zurückkehren; Jehova hat gegeben, und Jehova hat genommen, der Name Jehovas sei gepriesen!
22Bei diesem allem sündigte Hiob nicht und schrieb Gott nichts Ungereimtes zu.
Hiob 2
1Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor Jehova zu stellen; und auch der Satan kam in ihrer Mitte, um sich vor Jehova zu stellen.
2Und Jehova sprach zum Satan: Von woher kommst du? Und der Satan antwortete Jehova und sprach: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln auf ihr.
3Und Jehova sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn seinesgleichen ist kein Mann auf Erden, vollkommen und rechtschaffen, gottesfürchtig und das Böse meidend; und noch hält er fest an seiner Vollkommenheit, wiewohl du mich wider ihn gereizt hast, ihn ohne Ursache zu verschlingen.
4Und der Satan antwortete Jehova und sprach: Haut um Haut, ja, alles, was der Mensch hat, gibt er um sein Leben.
5Aber strecke einmal deine Hand aus und taste sein Gebein und sein Fleisch an, ob er sich nicht offen von dir lossagen wird.
6Und Jehova sprach zum Satan: Siehe, er ist in deiner Hand; nur schone seines Lebens.
7Und der Satan ging von dem Angesicht Jehovas hinweg, und er schlug Hiob mit bösen Geschwüren, von seiner Fußsohle bis zu seinem Scheitel.
8Und er nahm einen Scherben, um sich damit zu schaben; und er saß mitten in der Asche.
9Da sprach sein Weib zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Vollkommenheit? Sage dich los von Gott und stirb!
10Und er sprach zu ihr: Du redest, wie eine der Törinnen redet. Wir sollten das Gute von Gott annehmen, und das Böse sollten wir nicht auch annehmen? Bei diesem allem sündigte Hiob nicht mit seinen Lippen.
11Und die drei Freunde Hiobs hörten all dieses Unglück, das über ihn gekommen war; und sie kamen, ein jeder aus seinem Orte: Eliphas, der Temaniter, und Bildad, der Schuchiter, und Zophar, der Naamathiter; und sie verabredeten sich miteinander zu kommen, um ihm ihr Beileid zu bezeugen und ihn zu trösten.
12Und sie erhoben ihre Augen von ferne und erkannten ihn nicht; da erhoben sie ihre Stimme und weinten, und sie zerrissen ein jeder sein Gewand und streuten Staub auf ihre Häupter himmelwärts.
13Und sie saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte lang; und keiner redete ein Wort zu ihm, denn sie sahen, daß der Schmerz sehr groß war.
Hiob 3
1Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.
2Und Hiob hob an und sprach:
3Es verschwinde der Tag, an dem ich geboren wurde, und die Nacht, welche sprach: Ein Knäblein ist empfangen!
4Jener Tag sei Finsternis! Nicht frage Gott nach ihm droben, und nicht erglänze über ihm das Licht!
5Finsternis und Todesschatten mögen ihn einlösen, Gewölk lagere sich über ihm, es schrecken ihn Tagesverfinsterungen!
6Jene Nacht, Dunkel ergreife sie; sie freue sich nicht unter den Tagen des Jahres, in die Zahl der Monde komme sie nicht!
7Siehe, jene Nacht sei unfruchtbar, es trete kein Jubel in sie ein!
8Verwünschen mögen sie die Verflucher des Tages, die fähig sind, den Leviathan aufzureizen!
9Verfinstert seien die Sterne ihrer Dämmerung; sie harre auf Licht, und da sei keines; und nicht schaue sie die Wimpern der Morgenröte!
10Denn sie hat die Pforte meines Mutterschoßes nicht verschlossen und Mühsal nicht verborgen vor meinen Augen.
11Warum starb ich nicht von Mutterleibe an, kam aus dem Schoße hervor und verschied?
12Weshalb kamen Knie mir entgegen, und wozu Brüste, daß ich sog?
13Denn jetzt würde ich liegen und rasten, ich würde schlafen: dann hätte ich Ruhe,
14mit Königen und Räten der Erde, welche sich verödete Plätze erbauten,
15oder mit Fürsten, die Gold hatten, die ihre Häuser mit Silber füllten;
16oder, gleich einer verborgenen Fehlgeburt, wäre ich nicht da, gleich Kindern, die das Licht nicht erblickt haben.
17Dort lassen die Bösen ab vom Toben, und dort ruhen die an Kraft Erschöpften,
18rasten die Gefangenen allesamt, hören nicht die Stimme des Treibers.
19Der Kleine und der Große, dort sind sie gleich, und der Knecht ist frei von seinem Herrn.
20Warum gibt er dem Mühseligen Licht, und Leben denen, die bitterer Seele sind;
21die auf den Tod harren, und er ist nicht da, und die nach ihm graben, mehr als nach verborgenen Schätzen;
22die sich freuen bis zum Jubel, Wonne haben, wenn sie das Grab finden;
23dem Manne, dessen Weg ihm verborgen ist, und den Gott eingeschlossen hat ringsum?
24Denn gleich meinem Brote kommt mein Seufzen, und wie Wasser ergießt sich mein Gestöhn.
25Denn ich fürchtete einen Schrecken, und er traf mich, und vor dem mir bangte, das kam über mich.
26Ich war nicht ruhig, und ich rastete nicht und ruhte nicht, da kam das Toben.
Hiob 4
1Und Eliphas, der Temaniter, antwortete und sprach:
2Wenn man ein Wort an dich versucht, wird es dich verdrießen? Doch die Worte zurückzuhalten, wer vermöchte es?
3Siehe, du hast viele unterwiesen, und erschlaffte Hände stärktest du;
4den Strauchelnden richteten deine Worte auf, und sinkende Knie hast du befestigt.
5Doch nun kommt es an dich, und es verdrießt dich; es erreicht dich, und du bist bestürzt.
6Ist nicht deine Gottesfurcht deine Zuversicht, die Vollkommenheit deiner Wege deine Hoffnung?
7Gedenke doch: Wer ist als Unschuldiger umgekommen, und wo sind Rechtschaffene vertilgt worden?
8So wie ich es gesehen habe: die Unheil pflügen und Mühsal säen, ernten es.
9Durch den Odem Gottes kommen sie um, und durch den Hauch seiner Nase vergehen sie.
10Das Brüllen des Löwen und des Brüllers Stimme sind verstummt, und die Zähne der jungen Löwen sind ausgebrochen;
11der Löwe kommt um aus Mangel an Raub, und die Jungen der Löwin werden zerstreut.
12Und zu mir gelangte verstohlen ein Wort, und mein Ohr vernahm ein Geflüster davon.
13In Gedanken, welche Nachtgesichte hervorrufen, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt,
14kam Schauer über mich und Beben, und durchschauerte alle meine Gebeine;
15und ein Geist zog vor meinem Angesicht vorüber, das Haar meines Leibes starrte empor.
16Es stand da, und ich erkannte sein Aussehen nicht; ein Bild war vor meinen Augen, ein Säuseln und eine Stimme hörte ich:
17Sollte ein Mensch gerechter sein als Gott, oder ein Mann reiner als der ihn gemacht hat?
18Siehe, auf seine Knechte vertraut er nicht, und seinen Engeln legt er Irrtum zur Last:
19wieviel mehr denen, die in Lehmhäusern wohnen, deren Grund im Staube ist! Wie Motten werden sie zertreten.
20Von Morgen bis Abend werden sie zerschmettert; ohne daß man's beachtet, kommen sie um auf ewig.
21Ist es nicht so? Wird ihr Zeltstrick an ihnen weggerissen, so sterben sie, und nicht in Weisheit.
Hiob 5
1Rufe doch, ob einer da ist, der dir antwortet! Und an welchen der Heiligen willst du dich wenden?
2Denn den Narren erwürgt der Gram, und den Einfältigen tötet der Eifer.
3Ich, ich sah den Narren Wurzel schlagen, und alsbald verwünschte ich seine Wohnung.
4Fern blieben seine Kinder vom Glück; und sie wurden im Tore zertreten, und kein Erretter war da.
5Seine Ernte verzehrte der Hungrige, und bis aus den Dornhecken nahm er sie weg; und nach ihrem Vermögen schnappte die Schlinge.
6Denn nicht aus dem Staube geht Unheil hervor, und nicht sproßt Mühsal aus dem Erdboden;
7sondern der Mensch ist zur Mühsal geboren, wie die Funken sich erheben im Fluge.
8Ich jedoch würde Gott suchen und Gott meine Sache darlegen,
9der Großes und Unerforschliches tut, Wunder bis zur Unzahl;
10der Regen gibt auf die Fläche der Erde, und Wasser sendet auf die Fläche der Flur;
11um Niedrige in die Höhe zu setzen, und Trauernde steigen empor zum Glück.
12Der zunichte macht die Anschläge der Listigen, und ihre Hände führen den Plan nicht aus;
13der die Weisen erhascht in ihrer List, und der Verschmitzten Rat überstürzt sich.
14Bei Tage stoßen sie auf Finsternis, und am Mittag tappen sie wie bei der Nacht.
15Und er rettet vom Schwerte, von ihrem Munde, und aus der Hand des Starken den Dürftigen.
16So wird dem Armen Hoffnung, und die Ungerechtigkeit verschließt ihren Mund.
17Siehe, glückselig der Mensch, den Gott straft! So verwirf denn nicht die Züchtigung des Allmächtigen.
18Denn er bereitet Schmerz und verbindet, er zerschlägt, und seine Hände heilen.
19In sechs Drangsalen wird er dich erretten, und in sieben wird dich kein Übel antasten.
20In Hungersnot erlöst er dich von dem Tode, und im Kriege von der Gewalt des Schwertes.
21Vor der Zunge Geißel wirst du geborgen sein, und du wirst dich nicht fürchten vor der Verwüstung, wenn sie kommt.
22Der Verwüstung und des Hungers wirst du lachen, und vor dem Getier der Erde wirst du dich nicht fürchten;
23denn dein Bund wird mit den Steinen des Feldes sein, und das Getier des Feldes wird Frieden mit dir haben.
24Und du wirst erfahren, daß dein Zelt in Frieden ist, und überschaust du deine Wohnung, so wirst du nichts vermissen;
25und du wirst erfahren, daß deine Nachkommenschaft zahlreich sein wird, und deine Sprößlinge gleich dem Kraut der Erde.
26Du wirst in Rüstigkeit in das Grab kommen, wie der Garbenhaufen eingebracht wird zu seiner Zeit.
27Siehe, dieses, wir haben es erforscht, so ist es; höre es, und du, merke es dir!
Hiob 6
1Und Hiob antwortete und sprach:
2O daß mein Gram doch gewogen würde, und man mein Mißgeschick auf die Waagschale legte allzumal!
3Denn dann würde es schwerer sein als der Sand der Meere; darum sind unbesonnen meine Worte.
4Denn die Pfeile des Allmächtigen sind in mir, ihr Gift trinkt mein Geist; die Schrecken Gottes stellen sich in Schlachtordnung wider mich auf.
5Schreit ein Wildesel beim Grase, oder brüllt ein Rind bei seinem Futter?
6Wird Fades, Salzloses gegessen? Oder ist Geschmack im Eiweiß?
7Was meine Seele sich weigerte anzurühren, das ist wie meine ekle Speise.
8O daß doch meine Bitte einträfe, und Gott mein Verlangen gewährte,
9daß es Gott gefiele, mich zu zermalmen, daß er seine Hand losmachte und mich vernichtete!
10So würde noch mein Trost sein, und ich würde frohlocken in schonungsloser Pein, daß ich die Worte des Heiligen nicht verleugnet habe.
11Was ist meine Kraft, daß ich ausharren, und was mein Ende, daß ich mich gedulden sollte?
12Ist Kraft der Steine meine Kraft, oder ist mein Fleisch von Erz?
13Ist es nicht also, daß keine Hilfe in mir, und jede Kraft aus mir vertrieben ist?
14Dem Verzagten gebührt Milde von seinem Freunde, sonst wird er die Furcht des Allmächtigen verlassen.
15Meine Brüder haben sich trügerisch erwiesen wie ein Wildbach, wie das Bett der Wildbäche, welche hinschwinden,
16welche trübe sind von Eis, in die der Schnee sich birgt.
17Zur Zeit, wenn sie erwärmt werden, versiegen sie; wenn es heiß wird, sind sie von ihrer Stelle verschwunden.
18Es schlängeln sich die Pfade ihres Laufes, ziehen hinauf in die Öde und verlieren sich.
19Es blickten hin die Karawanen Temas, die Reisezüge Schebas hofften auf sie:
20sie wurden beschämt, weil sie auf sie vertraut hatten, sie kamen hin und wurden zu Schanden.
21Denn jetzt seid ihr zu nichts geworden; ihr sehet einen Schrecken und fürchtet euch.
22Habe ich etwa gesagt: Gebet mir, und machet mir ein Geschenk von eurem Vermögen;
23und befreiet mich aus der Hand des Bedrängers, und erlöset mich aus der Hand der Gewalttätigen?
24Belehret mich, und ich will schweigen; und gebet mir zu erkennen, worin ich geirrt habe.
25Wie eindringlich sind richtige Worte! Aber was tadelt der Tadel, der von euch kommt?
26Gedenket ihr Reden zu tadeln? Für den Wind sind ja die Worte eines Verzweifelnden!
27Sogar den Verwaisten würdet ihr verlosen, und über euren Freund einen Handel abschließen.
28Und nun, laßt es euch gefallen, auf mich hinzublicken: euch ins Angesicht werde ich doch wahrlich nicht lügen.
29Kehret doch um, es geschehe kein Unrecht; ja, kehret noch um, um meine Gerechtigkeit handelt es sich!
30Ist Unrecht auf meiner Zunge? Oder sollte mein Gaumen Frevelhaftes nicht unterscheiden?
Hiob 7
1Hat der Mensch nicht einen harten Dienst auf Erden, und sind seine Tage nicht wie die Tage eines Tagelöhners?
2Wie ein Knecht, der sich nach dem Schatten sehnt, und wie ein Tagelöhner, der seines Lohnes harrt,
3so sind mir zuteil geworden Monde der Nichtigkeit, und Nächte der Mühsal mir zugezählt.
4Wenn ich mich niederlege, so spreche ich: Wann werde ich aufstehen? Und der Abend dehnt sich hin, und ich werde des Umherwerfens satt bis zur Dämmerung.
5Mein Fleisch ist bekleidet mit Gewürm und Erdkrusten, meine Haut zieht sich zusammen und eitert.
6Meine Tage gleiten schneller dahin als ein Weberschiffchen, und schwinden ohne Hoffnung.
7Gedenke, daß mein Leben ein Hauch ist! Nicht wird mein Auge das Glück wiedersehen.
8Nicht mehr wird mich schauen das Auge des mich Sehenden; richtest du deine Augen auf mich, so bin ich nicht mehr.
9Die Wolke schwindet und fährt dahin; so steigt, wer in den Scheol hinabfährt, nicht wieder herauf.
10Nicht mehr kehrt er zurück zu seinem Hause, und seine Stätte erkennt ihn nicht mehr.
11So will auch ich meinen Mund nicht zurückhalten, will reden in der Bedrängnis meines Geistes, will klagen in der Bitterkeit meiner Seele.
12Bin ich ein Meer, oder ein Seeungeheuer, daß du eine Wache wider mich aufstellst?
13Wenn ich sage: Trösten wird mich mein Bett, mein Lager wird tragen helfen meine Klage,
14so erschreckst du mich mit Träumen, und durch Gesichte ängstigst du mich,
15so daß meine Seele Erstickung vorzieht, den Tod lieber wählt als meine Gebeine.
16Ich bin's überdrüssig, nicht ewiglich werde ich ja leben: Laß ab von mir! Denn ein Hauch sind meine Tage.
17Was ist der Mensch, daß du ihn hochhältst, und daß du dein Herz auf ihn richtest,
18und alle Morgen ihn heimsuchst, alle Augenblicke ihn prüfst?
19Wie lange willst du nicht von mir wegblicken, nicht von mir ablassen, bis ich meinen Speichel verschlucke?
20Habe ich gesündigt, was tat ich dir an, du Beobachter der Menschen? Warum hast du mich dir zum Angriffspunkt gesetzt, daß ich mir selbst zur Last geworden bin?
21Und warum vergibst du nicht meine Übertretung und lässest nicht vorübergehen meine Missetat? Denn nun werde ich in den Staub mich legen, und suchst du nach mir, so bin ich nicht mehr.
Hiob 8
1Und Bildad, der Schuchiter, antwortete und sprach:
2Wie lange willst du solches reden, und sollen die Worte deines Mundes ungestümer Wind sein?
3Wird Gott das Recht beugen, oder wird der Allmächtige beugen die Gerechtigkeit?
4Wenn deine Kinder gegen ihn gesündigt haben, so gab er sie ihrer Übertretung preis.
5Wenn du Gott eifrig suchst und zu dem Allmächtigen um Gnade flehst,
6wenn du lauter und rechtschaffen bist, ja, dann wird er zu deinen Gunsten aufwachen und Wohlfahrt geben der Wohnung deiner Gerechtigkeit;
7und dein Anfang wird gering erscheinen, aber dein Ende sehr groß werden.
8Denn befrage doch das vorige Geschlecht, und richte deinen Sinn auf das, was ihre Väter erforscht haben.
9(Denn wir sind von gestern und wissen nichts, denn ein Schatten sind unsere Tage auf Erden.)
10Werden jene dich nicht belehren, dir's sagen, und Worte aus ihrem Herzen hervorbringen?
11Schießt Papierschilf auf, wo kein Sumpf ist? Wächst Riedgras empor ohne Wasser?
12Noch ist es am Grünen, wird nicht ausgerauft, so verdorrt es vor allem Grase.
13Also sind die Pfade aller, die Gottes vergessen; und des Ruchlosen Hoffnung geht zu Grunde.
14Sein Vertrauen wird abgeschnitten, und seine Zuversicht ist ein Spinnengewebe.
15Er stützt sich auf sein Haus, und es hält nicht stand; er hält sich daran fest, und es bleibt nicht aufrecht.
16Saftvoll ist er vor der Sonne, und seine Schößlinge dehnen sich aus über seinen Garten hin;
17über Steinhaufen schlingen sich seine Wurzeln, er schaut die Wohnung der Steine;
18wenn er ihn wegreißt von seiner Stätte, so verleugnet sie ihn: "Ich habe dich nie gesehen!"
19Siehe, das ist die Freude seines Weges; und aus dem Staube sprossen andere hervor.
20Siehe, Gott wird den Vollkommenen nicht verwerfen, und nicht bei der Hand fassen die Übeltäter.
21Während er deinen Mund mit Lachen füllen wird und deine Lippen mit Jubelschall,
22werden deine Hasser bekleidet werden mit Scham, und das Zelt der Gesetzlosen wird nicht mehr sein.
Hiob 9
1Und Hiob antwortete und sprach:
2Wahrlich, ich weiß, daß es also ist; und wie könnte ein Mensch gerecht sein vor Gott?
3Wenn er Lust hat, mit ihm zu rechten, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten.
4Er ist weise von Herzen und stark an Kraft: wer hat sich wider ihn verhärtet und ist unversehrt geblieben?
5Der Berge versetzt, ehe sie es merken, er, der sie umkehrt in seinem Zorn;
6der die Erde aufbeben macht von ihrer Stätte, und ihre Säulen erzittern;
7der der Sonne befiehlt, und sie geht nicht auf, und der die Sterne versiegelt;
8der die Himmel ausspannt, er allein, und einherschreitet auf den Höhen des Meeres;
9der den großen Bären gemacht hat, den Orion und das Siebengestirn und die Kammern des Südens;
10der Großes tut, daß es nicht zu erforschen, und Wundertaten, daß sie nicht zu zählen sind.
11Siehe, er geht an mir vorüber, und ich sehe ihn nicht, und er zieht vorbei, und ich bemerke ihn nicht.
12Siehe, er rafft dahin, und wer will ihm wehren? Wer zu ihm sagen: Was tust du?
13Gott wendet seinen Zorn nicht ab, unter ihn beugen sich Rahabs Helfer.
14Wieviel weniger könnte ich ihm antworten, meine Worte wählen ihm gegenüber!
15Der ich, wenn ich gerecht wäre, nicht antworten könnte, um Gnade würde ich flehen zu meinem Richter.
16Wenn ich riefe, und er mir antwortete, nicht würde ich glauben, daß er meiner Stimme Gehör schenken würde:
17Er, der mich zermalmt durch ein Sturmwetter, und meine Wunden mehrt ohne Ursache;
18er erlaubt mir nicht, Atem zu holen, denn er sättigt mich mit Bitterkeiten.
19Wenn es auf Kraft des Starken ankommt, so sagt er: "Siehe hier!" und wenn auf Recht: "Wer will mich vorladen?"
20Wenn ich auch gerecht wäre, so würde mein Mund mich doch verdammen; wäre ich vollkommen, so würde er mich für verkehrt erklären.
21Vollkommen bin ich; nicht kümmert mich meine Seele, ich verachte mein Leben; es ist eins!
22Darum sage ich: Den Vollkommenen und den Gesetzlosen vernichtet er.
23Wenn die Geißel plötzlich tötet, so spottet er der Prüfung der Unschuldigen.
24Die Erde ist in die Hand des Gesetzlosen gegeben, das Angesicht ihrer Richter verhüllt er. Wenn er es nun nicht ist, wer anders?
25Und meine Tage eilen schneller dahin als ein Läufer, sie entfliehen, schauen das Glück nicht.
26Sie ziehen vorüber gleich Rohrschiffen, wie ein Adler, der auf Fraß herabstürzt.
27Wenn ich sage: Ich will meine Klage vergessen, will mein Angesicht glätten und mich erheitern,
28so bangt mir vor allen meinen Schmerzen; ich weiß, daß du mich nicht für schuldlos halten wirst.
29Ich muß schuldig sein; wozu soll ich mich denn nutzlos abmühen?
30Wenn ich mich mit Schnee wüsche und meine Hände mit Lauge reinigte,
31alsdann würdest du mich in die Grube tauchen, und meinen eigenen Kleidern würde vor mir ekeln.
32Denn er ist nicht ein Mann wie ich, daß ich ihm antworten dürfte, daß wir miteinander vor Gericht gehen könnten.
33Es gibt zwischen uns keinen Schiedsmann, daß er seine Hand auf uns beide legte.
34Er tue seine Rute von mir weg, und sein Schrecken ängstige mich nicht:
35so will ich reden und ihn nicht fürchten; denn nicht also steht es bei mir.
Hiob 10
1Meine Seele ist meines Lebens überdrüssig; ich will meiner Klage in mir freien Lauf lassen, will reden in der Bitterkeit meiner Seele.
2Ich will zu Gott sagen: Verdamme mich nicht! laß mich wissen, worüber du mit mir rechtest.
3Gefällt es dir, daß du bedrückst, daß du die Arbeit deiner Hände verwirfst und über den Rat der Gesetzlosen dein Licht leuchten lässest?
4Hast du Augen des Fleisches, oder siehst du, wie ein Mensch sieht?
5Sind deine Tage wie die Tage eines Menschen, oder deine Jahre wie die Tage eines Mannes,
6daß du nach meiner Ungerechtigkeit suchst und nach meiner Sünde forschest,
7obwohl du weißt, daß ich nicht schuldig bin, und daß niemand ist, der aus deiner Hand errette?
8Deine Hände haben mich ganz gebildet und gestaltet um und um, und du verschlingst mich!
9Gedenke doch, daß du wie Ton mich gestaltet und zum Staube willst du mich zurückkehren lassen!
10Hast du mich nicht hingegossen wie Milch, und wie Käse mich gerinnen lassen?
11Mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet, und mit Knochen und Sehnen mich durchflochten.
12Leben und Huld hast du mir gewährt, und deine Obhut bewahrte meinen Geist.
13Doch solches bargest du in deinem Herzen; ich weiß, daß dieses bei dir war:
14Wenn ich sündigte, so würdest du mich beobachten, und von meiner Missetat mich nicht freisprechen.
15Wenn ich schuldig wäre, wehe mir! Und wäre ich gerecht, so dürfte ich mein Haupt nicht erheben, gesättigt von Schande und mein Elend schauend.
16Und richtete es sich empor, wie ein Löwe würdest du mich jagen, und immer wieder deine Wunderkraft an mir erweisen.
17Du würdest deine Zeugen mir gegenüber erneuern und deinen Zorn wider mich mehren, stets frische Scharen und ein Heer wider mich entbieten.
18Warum hast du mich doch aus Mutterleibe hervorgehen lassen? Ich hätte verscheiden, und kein Auge hätte mich sehen sollen!
19Als ob ich nicht gewesen wäre, so hätte ich sein sollen, vom Mutterschoße zu Grabe getragen!
20Sind meiner Tage nicht wenige? Er lasse ab, wende sich von mir, daß ich ein wenig mich erheitere,
21ehe ich hingehe (und nicht wiederkomme) in das Land der Finsternis und des Todesschattens,
22in das Land, düster wie das Dunkel, das Land des Todesschattens und der Unordnung, und wo das Hellwerden dem Dunkel gleich ist!
Hiob 11
1Und Zophar, der Naamathiter, antwortete und sprach:
2Sollte die Menge der Worte nicht beantwortet werden, oder sollte ein Schwätzer recht behalten?
3Sollte dein Gerede die Leute zum Schweigen bringen, daß du spotten solltest, und niemand dich beschämen,
4daß du sagen solltest: Meine Lehre ist lauter, und ich bin rein in deinen Augen?
5Aber möchte Gott doch reden und seine Lippen gegen dich öffnen,
6und dir kundtun die Geheimnisse der Weisheit, daß sie das Doppelte ist an Bestand! Dann müßtest du erkennen, daß Gott dir viel von deiner Missetat übersieht.
7Kannst du die Tiefe Gottes erreichen, oder das Wesen des Allmächtigen ergründen?
8Himmelhoch sind sie, was kannst du tun? Tiefer als der Scheol, was kannst du wissen?
9Länger als die Erde ist ihr Maß und breiter als das Meer.
10Wenn er vorüberzieht und in Verhaft nimmt und zum Gericht versammelt, wer will ihm dann wehren?
11Denn er kennt die falschen Leute; und er sieht Frevel, ohne daß er achtgibt.
12Auch ein Hohlköpfiger gewinnt Verstand, wenn auch der Mensch als ein Wildeselsfüllen geboren wird.
13Wenn du dein Herz richtest und deine Hände zu ihm ausbreitest,
14wenn Frevel in deiner Hand ist, so entferne ihn, und laß Unrecht nicht wohnen in deinen Zelten,
15ja, dann wirst du dein Angesicht erheben ohne Makel, und wirst unerschütterlich sein und dich nicht fürchten.
16Denn du wirst die Mühsal vergessen, wirst ihrer gedenken wie vorübergeflossener Wasser;
17und heller als der Mittag wird dein Leben erstehen; mag es finster sein wie der Morgen wird es werden.
18Und du wirst Vertrauen fassen, weil es Hoffnung gibt; und du wirst Umschau halten, in Sicherheit dich niederlegen.
19Und du wirst dich lagern, und niemand wird dich aufschrecken; und viele werden deine Gunst suchen.
20Aber die Augen der Gesetzlosen werden verschmachten; und jede Zuflucht ist ihnen verloren, und ihre Hoffnung ist das Aushauchen der Seele.
Hiob 12
1Und Hiob antwortete und sprach:
2Fürwahr, ihr seid die Leute, und mit euch wird die Weisheit aussterben!
3Auch ich habe Verstand wie ihr; ich stehe nicht hinter euch zurück; und wer wüßte nicht dergleichen?
4Ich muß einer sein, der seinem Freunde zum Gespött ist, der zu Gott ruft, und er antwortet ihm; der Gerechte, Vollkommene ist zum Gespött!
5Dem Unglück gebührt Verachtung nach den Gedanken des Sorglosen; sie ist bereit für die, welche mit dem Fuße wanken.
6Die Zelte der Verwüster sind in Ruhe, und Sicherheit ist für die, welche Gott reizen, für den, welcher Gott in seiner Hand führt.
7Aber frage doch das Vieh, und es wird's dich lehren; und das Gevögel des Himmels, und es wird's dir kundtun;
8oder rede zu der Erde, und sie wird's dich lehren; und die Fische des Meeres werden es dir erzählen.
9Wer erkennte nicht an diesen allen, daß die Hand Jehovas solches gemacht hat,
10in dessen Hand die Seele alles Lebendigen ist und der Geist alles menschlichen Fleisches?
11Soll nicht das Ohr die Worte prüfen, wie der Gaumen für sich die Speise kostet?
12Bei Greisen ist Weisheit, und Einsicht bei hohem Alter.
13Bei ihm ist Weisheit und Macht, sein ist Rat und Einsicht.
14Siehe, er reißt nieder, und es wird nicht wieder gebaut; er schließt über jemand zu, und es wird nicht aufgetan.
15Siehe, er hemmt die Wasser, und sie vertrocknen; und er läßt sie los, und sie kehren das Land um.
16Bei ihm ist Kraft und vollkommenes Wissen; sein ist der Irrende und der Irreführende.
17Er führt Räte beraubt hinweg, und Richter macht er zu Narren.
18Die Herrschaft der Könige löst er auf, und schlingt eine Fessel um ihre Lenden.
19Er führt Priester beraubt hinweg, und Feststehende stürzt er um.
20Zuverlässigen entzieht er die Sprache, und Alten benimmt er das Urteil.
21Verachtung schüttet er auf Edle, und den Gürtel der Starken macht er schlaff.
22Er enthüllt Tiefes aus der Finsternis, und Todesschatten zieht er an das Licht hervor.
23Er vergrößert Nationen, und er vernichtet sie; er breitet Nationen aus, und er führt sie hinweg.
24Er entzieht den Verstand den Häuptern der Völker der Erde, und macht sie umherirren in pfadloser Einöde;
25sie tappen in der Finsternis, wo kein Licht ist, und er macht sie umherirren gleich einem Trunkenen.
Hiob 13
1Siehe, das alles hat mein Auge gesehen, mein Ohr gehört und sich gemerkt.
2So viel ihr wisset, weiß auch ich; ich stehe nicht hinter euch zurück.
3Doch zu dem Allmächtigen will ich reden, und vor Gott mich zu rechtfertigen begehre ich;
4ihr hingegen seid Lügenschmiede, nichtige Ärzte, ihr alle!
5O daß ihr doch stille schwieget! Das würde euch zur Weisheit gereichen.
6Höret doch meine Rechtfertigung, und horchet auf die Beweisgründe meiner Lippen!
7Wollt ihr für Gott Unrecht reden, und für ihn Trug reden?
8Wollt ihr für ihn Partei nehmen? Oder wollt ihr für Gott rechten?
9Ist es gut für euch, daß er euch erforsche? Oder werdet ihr ihn täuschen, wie man einen Menschen täuscht?
10Strafen wird er euch, wenn ihr im Geheimen die Person ansehet.
11Wird nicht seine Hoheit euch bestürzen, und sein Schrecken auf euch fallen?
12Eure Denksprüche sind Sprüche von Asche, eure Schutzwehren erweisen sich als Schutzwehren von Lehm.
13Schweiget, laßt mich, und ich will reden, was auch über mich ergehen möge.
14Warum sollte ich mein Fleisch zwischen meine Zähne nehmen, und mein Leben meiner Hand anvertrauen?
15Siehe, tötet er mich, ich werde auf ihn warten, nur will ich meine Wege ihm ins Angesicht rechtfertigen.
16Auch das wird mir zur Rettung sein, daß ein Ruchloser nicht vor sein Angesicht kommen darf.
17Höret, höret meine Rede, und meine Erklärung dringe in eure Ohren!
18Siehe doch, ich habe die Rechtssache gerüstet! Ich weiß, daß ich Recht behalten werde.
19Wer ist es, der mit mir rechten könnte? Denn dann wollte ich schweigen und verscheiden.
20Nur zweierlei tue mir nicht; dann werde ich mich nicht vor deinem Angesicht verbergen.
21Deine Hand entferne von mir, und dein Schrecken ängstige mich nicht.
22So rufe denn, und ich will antworten, oder ich will reden, und erwidere mir!
23Wie viele Missetaten und Sünden habe ich? Laß mich meine Übertretung und meine Sünde wissen!
24Warum verbirgst du dein Angesicht, und hältst mich für deinen Feind?
25Willst du ein verwehtes Blatt hinwegschrecken, und die dürre Stoppel verfolgen?
26Denn Bitteres verhängst du über mich, und lässest mich erben die Missetaten meiner Jugend;
27und meine Füße legst du in den Stock, und beobachtest alle meine Pfade, grenzest dir ein die Sohlen meiner Füße;
28da ich doch zerfalle wie Moder, wie ein Kleid, das die Motte zerfressen hat.
Hiob 14
1Der Mensch, vom Weibe geboren, ist kurz an Tagen und mit Unruhe gesättigt.
2Wie eine Blume kommt er hervor und verwelkt; und er flieht wie der Schatten und hat keinen Bestand.
3Dennoch hast du über einen solchen deine Augen geöffnet, und mich führst du ins Gericht mit dir!
4Wie könnte ein Reiner aus einem Unreinen kommen? Nicht ein einziger!
5Wenn denn bestimmt sind seine Tage, die Zahl seiner Monde bei dir sind, wenn du ihm Schranken gesetzt hast, die er nicht überschreiten darf,
6so blicke von ihm weg, daß er Ruhe habe, bis er wie ein Tagelöhner seinen Tag vollende.
7Denn für den Baum gibt es Hoffnung: wird er abgehauen, so schlägt er wieder aus, und seine Schößlinge hören nicht auf.
8Wenn seine Wurzel in der Erde altert, und sein Stumpf im Boden erstirbt:
9vom Dufte des Wassers sproßt er wieder auf und treibt Zweige wie ein Pflänzling.
10Der Mann aber stirbt und liegt da; und der Mensch verscheidet, und wo ist er?
11Es verrinnen die Wasser aus dem See, und der Fluß trocknet ein und versiegt:
12so legt der Mensch sich hin und steht nicht wieder auf; bis die Himmel nicht mehr sind, erwachen sie nicht und werden nicht aufgeweckt aus ihrem Schlafe.
13O daß du in dem Scheol mich verstecktest, mich verbärgest, bis dein Zorn sich abwendete, mir eine Frist setztest und dann meiner gedächtest!
14(Wenn ein Mann stirbt, wird er wieder leben?) Alle Tage meiner Dienstzeit wollte ich harren, bis meine Ablösung käme!
15Du würdest rufen, und ich würde dir antworten; du würdest dich sehnen nach dem Werke deiner Hände.
16Denn nun zählst du meine Schritte; wachst du nicht über meine Sünde?
17Meine Übertretung ist versiegelt in einem Bündel, und du hast hinzugefügt zu meiner Missetat.
18Und doch, ein Berg stürzt ein, zerfällt, und ein Fels rückt weg von seiner Stelle;
19Wasser zerreiben die Steine, ihre Fluten schwemmen den Staub der Erde hinweg; aber du machst zunichte die Hoffnung des Menschen.
20Du überwältigst ihn für immer, und er geht dahin; sein Angesicht entstellend, sendest du ihn hinweg.
21Seine Kinder kommen zu Ehren, und er weiß es nicht; und sie werden gering, und er achtet nicht auf sie.
22Nur um ihn selbst hat sein Fleisch Schmerz, und nur um ihn selbst empfindet seine Seele Trauer.
Hiob 15
1Und Eliphas, der Temaniter, antwortete und sprach:
2Wird ein Weiser windige Erkenntnis antworten, und wird er sein Inneres füllen mit Ostwind,
3streitend mit Reden, die nichts taugen, und mit Worten, womit er nicht nützt?
4Ja, du vernichtest die Gottesfurcht und schmälerst die Andacht vor Gott.
5Denn deine Ungerechtigkeit belehrt deinen Mund, und du wählst die Sprache der Listigen.
6Dein Mund verdammt dich, und nicht ich; und deine Lippen zeugen wider dich.
7Bist du als Erster zum Menschen gezeugt, und vor den Hügeln du geboren?
8Hast du im Rate Gottes zugehört, und die Weisheit an dich gerissen?
9Was weißt du, das wir nicht wüßten, was verstehst du, das uns nicht bekannt wäre?
10Unter uns sind auch Alte, auch Greise, reicher an Tagen als dein Vater.
11Sind dir zu wenig die Tröstungen Gottes, und ein sanftes Wort an dich zu gering?
12Was reißt dein Herz dich hin, und was zwinken deine Augen,
13daß du gegen Gott dein Schnauben kehrst, und Reden hervorgehen lässest aus deinem Munde?
14Was ist der Mensch, daß er rein sein sollte, und der vom Weibe Geborene, daß er gerecht wäre?
15Siehe, auf seine Heiligen vertraut er nicht, und die Himmel sind nicht rein in seinen Augen:
16wieviel weniger der Abscheuliche und Verderbte, der Mann, der Unrecht trinkt wie Wasser!
17Ich will dir's berichten, höre mir zu; und was ich gesehen, will ich erzählen,
18was die Weisen verkündigt und nicht verhehlt haben von ihren Vätern her,
19ihnen allein war das Land übergeben, und kein Fremder zog durch ihre Mitte;
20Alle seine Tage wird der Gesetzlose gequält, und eine kleine Zahl von Jahren ist dem Gewalttätigen aufgespart.
21Die Stimme von Schrecknissen ist in seinen Ohren, im Frieden kommt der Verwüster über ihn;
22er glaubt nicht an eine Rückkehr aus der Finsternis, und er ist ausersehen für das Schwert.
23Er schweift umher nach Brot, wo es finden? Er weiß, daß neben ihm ein Tag der Finsternis bereitet ist.
24Angst und Bedrängnis schrecken ihn, sie überwältigen ihn wie ein König, gerüstet zum Sturm.
25Weil er seine Hand wider Gott ausgestreckt hat und wider den Allmächtigen trotzte,
26wider ihn anrannte mit gerecktem Halse, mit den dichten Buckeln seiner Schilde;
27weil er sein Angesicht bedeckt hat mit seinem Fette und Schmer angesetzt an den Lenden;
28und zerstörte Städte bewohnte, Häuser, die nicht bewohnt werden sollten, die zu Steinhaufen bestimmt waren:
29so wird er nicht reich werden, und sein Vermögen wird keinen Bestand haben; und nicht neigt sich zur Erde, was solche besitzen.
30Er entweicht nicht der Finsternis; seine Schößlinge versengt die Flamme; und er muß weichen durch den Hauch seines Mundes.
31Er verlasse sich nicht auf Nichtiges, er wird getäuscht; denn Nichtiges wird seine Vergeltung sein.
32Noch ist sein Tag nicht da, so erfüllt es sich; und sein Palmzweig wird nicht grün.
33Wie der Weinstock übt er Unbill an seinen unreifen Beeren, und wie der Olivenbaum wirft er seine Blüte ab.
34Denn der Hausstand des Ruchlosen ist unfruchtbar, und Feuer frißt die Zelte der Bestechung.
35Sie sind schwanger mit Mühsal und gebären Unheil, und ihr Inneres bereitet Trug.
Hiob 16
1Und Hiob antwortete und sprach:
2Ich habe vieles dergleichen gehört; leidige Tröster seid ihr alle!
3Hat es ein Ende mit den windigen Worten? Oder was reizt dich, daß du antwortest?
4Auch ich könnte reden wie ihr. Wenn eure Seele an der Stelle meiner Seele wäre, könnte ich Worte wider euch zusammenreihen, und mein Haupt über euch schütteln;
5ich wollte euch stärken mit meinem Munde, und das Beileid meiner Lippen würde euch Linderung bringen.
6Wenn ich rede, so wird mein Schmerz nicht gehemmt; und unterlasse ich es, nicht weicht er von mir.
7Ja, bereits hat er mich erschöpft; du hast meinen ganzen Hausstand verwüstet.
8Und du hast mich zusammenschrumpfen lassen, zum Zeugen ward es; und meine Abmagerung tritt wider mich auf, sie zeugt mir ins Angesicht.
9Sein Zorn hat mich zerfleischt und verfolgt, er hat mit seinen Zähnen wider mich geknirscht; als mein Feind schärft er seine Augen wider mich.
10Ihr Maul haben sie wider mich aufgesperrt, mit Hohn meine Backen geschlagen; allzumal verstärken sie sich wider mich.
11Gott gab mich preis dem Ungerechten, und in die Hände der Gesetzlosen stürzte er mich.
12Ich war in Ruhe, und er hat mich zerrüttelt, und er packte mich beim Nacken und zerschmetterte mich; und er stellte mich hin sich zur Zielscheibe.
13Seine Schützen umringten mich, er spaltete meine Nieren ohne Schonung; er schüttete meine Galle zur Erde.
14Er durchbrach mich, Bruch auf Bruch; er rannte wider mich, wie ein Held.
15Ich habe Sacktuch über meine Haut genäht, und mit Staub mein Horn besudelt.
16Mein Angesicht glüht vom Weinen, und auf meinen Wimpern ist der Schatten des Todes,
17obwohl keine Gewalttat in meinen Händen, und mein Gebet lauter ist.
18Erde, bedecke nicht mein Blut, und für mein Geschrei sei kein Platz!
19Sogar jetzt, siehe, im Himmel ist mein Zeuge, und der mir Zeugnis gibt, in den Höhen.
20Meine Freunde sind meine Spötter: zu Gott tränt mein Auge,
21daß er schiedsrichterlich entscheide Gott gegenüber für einen Mann, und für einen Menschensohn hinsichtlich seines Freundes.
22Denn die zählbaren Jahre gehen vorüber, und ich werde einen Weg dahingehen, auf dem ich nicht wiederkehren werde.
Hiob 17
1Mein Geist ist verstört, meine Tage erlöschen, die Gräber sind für mich.
2Sind nicht Spöttereien um mich her, und muß nicht mein Auge weilen auf ihren Beleidigungen?
3Setze doch ein, leiste Bürgschaft für mich bei dir selbst! Wer ist es sonst, der in meine Hand einschlagen wird?
4Denn ihre Herzen hast du der Einsicht verschlossen; darum wirst du ihnen nicht die Oberhand geben.
5Wenn einer die Freunde zur Beute ausbietet, so werden die Augen seiner Kinder verschmachten.
6Und er hat mich hingestellt zum Sprichwort der Völker, und ich bin zum Anspeien ins Angesicht.
7Und mein Auge ist trübe geworden vor Gram, und wie der Schatten sind alle meine Glieder.
8Die Aufrichtigen werden sich hierüber entsetzen, und der Schuldlose wird aufgebracht werden über den Ruchlosen.
9Doch der Gerechte wird an seinem Wege festhalten, und der an Händen Reine wird an Stärke zunehmen.
10Aber ihr alle, kommet nur wieder heran! Und einen Weisen werde ich nicht unter euch finden.
11Meine Tage sind vorüber, zerrissen sind meine Pläne, das Eigentum meines Herzens.
12Die Nacht machen sie zum Tage, das Licht nahe vor lauter Finsternis.
13Wenn ich hoffe, so ist der Scheol mein Haus, in der Finsternis bette ich mein Lager.
14Zur Verwesung rufe ich: Du bist mein Vater! zu dem Gewürm: Meine Mutter und meine Schwester!
15Wo denn also ist meine Hoffnung? Ja, meine Hoffnung, wer wird sie schauen?
16Sie fährt hinab zu den Riegeln des Scheols, wenn wir miteinander im Staube Ruhe haben.
Hiob 18
1Und Bildad, der Schuchiter, antwortete und sprach:
2Wie lange wollt ihr auf Worte Jagd machen? Werdet verständig, und hernach wollen wir reden!
3Warum werden wir dem Vieh gleich geachtet, sind dumm in euren Augen?
4Du, der sich selbst zerfleischt in seinem Zorn, soll um deinetwillen die Erde verlassen werden, und ein Fels wegrücken von seiner Stelle?
5Doch das Licht der Gesetzlosen wird erlöschen, und nicht leuchten wird die Flamme seines Feuers.
6Das Licht wird finster in seinem Zelte, und seine Lampe erlischt über ihm.
7Die Schritte seiner Kraft werden eingeengt werden, und sein Ratschlag wird ihn stürzen.
8Denn durch seine eigenen Füße wird er ins Netz getrieben, und auf Fallgittern wird er einherwandeln.
9Der Fallstrick wird seine Ferse erfassen, die Schlinge ihn ergreifen.
10Sein Garn ist verborgen in der Erde, und seine Falle auf dem Pfade.
11Schrecken ängstigen ihn ringsum und scheuchen ihn auf Schritt und Tritt.
12Seine Kraft wird aufgezehrt werden durch Hunger, und das Verderben steht bereit an seiner Seite.
13Der Erstgeborene des Todes wird fressen die Glieder seines Leibes, seine Glieder wird er fressen.
14Seine Zuversicht wird hinweggerissen werden aus seinem Zelte, und es wird ihn forttreiben zu dem König der Schrecken.
15Was nicht sein ist, wird in seinem Zelte wohnen, auf seine Wohnstätte wird Schwefel gestreut werden.
16Unten werden seine Wurzeln verdorren, und oben wird sein Gezweig verwelken.
17Sein Gedächtnis verschwindet von der Erde, und auf der Fläche des Landes hat er keinen Namen.
18Man wird ihn aus dem Licht in die Finsternis stoßen, und aus der Welt ihn verjagen.
19Er wird keinen Sohn und keinen Nachkommen haben unter seinem Volke, noch wird ein Entronnener in seinen Wohnsitzen sein.
20Über seinen Tag entsetzen sich die im Westen Wohnenden, und die im Osten erfaßt Schauder.
21Ja, so sind die Wohnungen des Ungerechten, und so ist die Stätte dessen, der Gott nicht kennt.
Hiob 19
1Und Hiob antwortete und sprach:
2Wie lange wollt ihr meine Seele plagen und mich mit Worten zermalmen?
3Schon zehnmal ist es, daß ihr mich geschmäht habt; ihr schämet euch nicht, mich zu verletzen.
4Und habe ich auch wirklich geirrt, so bleibt doch mein Irrtum bei mir.
5Wenn ihr wirklich wider mich großtun wollt, und wider mich dartun meine Schmach,
6so wisset denn, daß Gott mich in meinem Rechte gebeugt und mich umstellt hat mit seinem Netze.
7Siehe, ich schreie über Gewalttat, und werde nicht erhört; ich rufe um Hilfe, und da ist kein Recht.
8Er hat meinen Weg verzäunt, daß ich nicht hinüber kann, und auf meine Pfade legte er Finsternis.
9Meine Ehre hat er mir ausgezogen, und weggenommen die Krone meines Hauptes.
10Er hat mich niedergerissen ringsum, so daß ich vergehe, und hat meine Hoffnung ausgerissen wie einen Baum.
11Und seinen Zorn ließ er wider mich entbrennen, und achtete mich seinen Feinden gleich.
12Allzumal kamen seine Scharen und bahnten ihren Weg wider mich, und lagerten sich rings um mein Zelt.
13Meine Brüder hat er von mir entfernt, und meine Bekannten sind mir ganz entfremdet.
14Meine Verwandten bleiben aus, und meine Vertrauten haben mich vergessen.
15Meine Hausgenossen und meine Mägde achten mich für einen Fremden; ein Ausländer bin ich in ihren Augen geworden.
16Meinem Knechte rufe ich, und er antwortet nicht; mit meinem Munde muß ich zu ihm flehen.
17Mein Atem ist meinem Weibe zuwider, und mein übler Geruch den Kindern meiner Mutter.
18Selbst Buben verachten mich; will ich aufstehen, so reden sie über mich.
19Alle meine Vertrauten verabscheuen mich, und die ich liebte, haben sich gegen mich gekehrt.
20Mein Gebein klebt an meiner Haut und an meinem Fleische, und nur mit der Haut meiner Zähne bin ich entronnen.
21Erbarmet euch meiner, erbarmet euch meiner, ihr meine Freunde! Denn die Hand Gottes hat mich angetastet.
22Warum verfolget ihr mich wie Gott, und werdet meines Fleisches nicht satt?
23O daß doch meine Worte aufgeschrieben würden! O daß sie in ein Buch gezeichnet würden,
24mit eisernem Griffel und Blei in den Felsen eingehauen auf ewig!
25Und ich, ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er auf der Erde stehen;
26und ist nach meiner Haut dieses da zerstört, so werde ich aus meinem Fleische Gott anschauen,
27welchen ich selbst mir anschauen, und den meine Augen sehen werden, und kein anderer: meine Nieren verschmachten in meinem Innern.
28Wenn ihr saget: Wie wollen wir ihn verfolgen? und daß die Wurzel der Sache in mir sich befinde,
29so fürchtet euch vor dem Schwerte! Denn das Schwert ist der Grimm über die Missetaten; auf daß ihr wisset, daß ein Gericht ist.
Hiob 20
1Und Zophar, der Naamathiter, antwortete und sprach:
2Darum geben meine Gedanken mir Antwort, und deswegen bin ich innerlich erregt:
3Eine Zurechtweisung, mir zur Schande, höre ich; aber mein Geist antwortet mir aus meiner Einsicht.
4Weißt du dieses, daß von jeher, seitdem der Mensch auf die Erde gesetzt wurde,
5der Jubel der Gesetzlosen kurz und die Freude des Ruchlosen für einen Augenblick war?
6Stiege auch seine Höhe bis zum Himmel hinauf, und rührte sein Haupt an die Wolken:
7gleich seinem Kote vergeht er auf ewig; die ihn gesehen haben, sagen: Wo ist er?
8Wie ein Traum verfliegt er, und man findet ihn nicht, und er wird hinweggescheucht wie ein Nachtgesicht.
9Das Auge hat ihn erblickt und sieht ihn nimmer wieder, und seine Stätte gewahrt ihn nicht mehr.
10Seine Kinder müssen die Armen begütigen, und seine Hände sein Vermögen zurückgeben.
11Seine Knochen waren voll seiner Jugendkraft, und sie liegt mit ihm in dem Staube.
12Wenn das Böse in seinem Munde süß war, und er es verbarg unter seiner Zunge,
13und es aufsparte und nicht fahren ließ und es zurückhielt unter seinem Gaumen:
14so ist doch nun seine Speise in seinen Eingeweiden verwandelt; Natterngalle ist in seinem Innern.
15Reichtum hat er verschlungen, und er speit ihn aus: aus seinem Bauche treibt Gott ihn heraus.
16Natterngift sog er ein: es tötet ihn die Zunge der Otter.
17Nicht darf er sich laben an Bächen, flutenden Strömen von Honig und Milch.
18Das Errungene gibt er zurück, und er darf es nicht verschlingen; gemäß dem Vermögen, das er erworben, darf er sich nicht freuen.
19Denn er hat mißhandelt, verlassen die Armen; Häuser hat er an sich gerissen und wird sie nicht ausbauen.
20Denn er kannte keine Ruhe in seinem Innern: mit seinem Teuersten wird er nicht entrinnen.
21Nichts entging seiner Freßgier; darum wird sein Wohlstand nicht dauernd sein.
22In der Fülle seines Überflusses wird er in Bedrängnis sein; die Hand jedes Notleidenden wird über ihn kommen.
23Es wird geschehen: um seinen Bauch zu füllen, wird Gott die Glut seines Zornes in ihn entsenden, und sie auf ihn regnen lassen in sein Fleisch hinein.
24Flieht er vor den eisernen Waffen, so wird der eherne Bogen ihn durchbohren.
25Er zieht am Pfeile, und er kommt aus dem Leibe hervor, und das glänzende Eisen aus seiner Galle: Schrecken kommen über ihn.
26Eitel Finsternis ist aufgespart für seine Schätze; ein Feuer, das nicht angeblasen ist, wird ihn fressen, wird verzehren, was in seinem Zelte übriggeblieben.
27Der Himmel wird seine Ungerechtigkeit enthüllen, und die Erde sich wider ihn erheben.
28Der Ertrag seines Hauses wird weggeführt werden, wird zerrinnen am Tage seines Zornes.
29Das ist das Teil des gesetzlosen Menschen von Gott und das von Gott ihm zugesprochene Los.
Hiob 21
1Und Hiob antwortete und sprach:
2Höret, höret meine Rede! Und dies ersetze eure Tröstungen.
3Ertraget mich, und ich will reden, und nachdem ich geredet habe, magst du spotten.
4Richtet sich meine Klage an einen Menschen? Oder warum sollte ich nicht ungeduldig sein?
5Wendet euch zu mir und entsetzet euch, und leget die Hand auf den Mund!
6Ja, wenn ich daran denke, so bin ich bestürzt, und Schauder erfaßt mein Fleisch.
7Warum leben die Gesetzlosen, werden alt, nehmen gar an Macht zu?
8Ihr Same steht fest vor ihnen, mit ihnen, und ihre Sprößlinge vor ihren Augen.
9Ihre Häuser haben Frieden, ohne Furcht, und Gottes Rute ist nicht über ihnen.
10Sein Stier belegt und befruchtet sicher, seine Kuh kalbt und wirft nicht fehl.
11Ihre Buben schicken sie aus gleich einer Herde, und ihre Knaben hüpfen umher.
12Sie erheben die Stimme bei Tamburin und Laute und sind fröhlich beim Klange der Schalmei.
13In Wohlfahrt verbringen sie ihre Tage, und in einem Augenblick sinken sie in den Scheol hinab.
14Und doch sprechen sie zu Gott: Weiche von uns! Und nach der Erkenntnis deiner Wege verlangen wir nicht.
15Was ist der Allmächtige, daß wir ihm dienen sollten, und was nützt es uns, daß wir ihn angehen?
16Siehe, ihre Wohlfahrt steht nicht in ihrer Hand. Der Rat der Gesetzlosen sei fern von mir!
17Wie oft geschieht es, daß die Leuchte der Gesetzlosen erlischt und ihr Verderben über sie kommt, daß er ihnen Schlingen zuteilt in seinem Zorn,
18daß sie wie Stroh werden vor dem Winde, und wie Spreu, die der Sturmwind entführt?
19Gott spart, saget ihr, sein Unheil auf für seine Kinder. Er vergelte ihm, daß er es fühle!
20Seine Augen sollen sein Verderben sehen, und von dem Grimme des Allmächtigen trinke er!
21Denn was liegt ihm an seinem Hause nach ihm, wenn die Zahl seiner Monde durchschnitten ist?
22Kann man Gott Erkenntnis lehren, da er es ja ist, der die Hohen richtet?
23Dieser stirbt in seiner Vollkraft, ganz wohlgemut und sorglos.
24Seine Gefäße sind voll Milch, und das Mark seiner Gebeine ist getränkt.
25Und jener stirbt mit bitterer Seele und hat des Guten nicht genossen.
26Zusammen liegen sie im Staube, und Gewürm bedeckt sie.
27Siehe, ich kenne eure Gedanken, und die Anschläge, womit ihr mir Gewalt antut.
28Denn ihr saget: Wo ist das Haus des Edlen, und wo das Wohngezelt der Gesetzlosen?
29Habt ihr nicht befragt, die des Weges vorüberziehen? Und erkennet ihr ihre Merkmale nicht:
30daß der Böse verschont wird am Tage des Verderbens, daß am Tage der Zornesfluten sie weggeleitet werden?
31Wer wird ihm ins Angesicht seinen Weg kundtun? Und hat er gehandelt, wer wird es ihm vergelten?
32Und er wird zu den Gräbern hingebracht, und auf dem Grabhügel wacht er.
33Süß sind ihm die Schollen des Tales. Und hinter ihm her ziehen alle Menschen, und vor ihm her gingen sie ohne Zahl.
34Wie tröstet ihr mich nun mit Dunst? Und von euren Antworten bleibt nur Treulosigkeit übrig.
Hiob 22
1Und Eliphas, der Temaniter, antwortete und sprach:
2Kann ein Mann Gott Nutzen bringen? Vielmehr sich selbst nützt der Einsichtige.
3Liegt dem Allmächtigen daran, wenn du gerecht bist, oder ist es ihm ein Gewinn, wenn du deine Wege vollkommen machst?
4Ist es wegen deiner Gottesfurcht, daß er dich straft, mit dir ins Gericht geht?
5Ist nicht deine Bosheit groß, und deiner Missetaten kein Ende?
6Denn du pfändetest deinen Bruder ohne Ursache, und die Kleider der Nackten zogest du aus;
7den Lechzenden tränktest du nicht mit Wasser, und dem Hungrigen verweigertest du das Brot.
8Und dem Manne der Gewalt, ihm gehörte das Land, und der Angesehene wohnte darin.
9Die Witwe schicktest du leer fort, und die Arme der Waisen wurden zermalmt.
10Darum sind Schlingen rings um dich her, und ein plötzlicher Schrecken macht dich bestürzt.
11Oder siehst du nicht die Finsternis und die Wasserflut, die dich bedeckt?
12Ist Gott nicht so hoch wie die Himmel? Sieh doch den Gipfel der Sterne, wie erhaben sie sind!
13Und so sprichst du: Was sollte Gott wissen? Kann er richten durch Wolkendunkel hindurch?
14Die Wolken sind ihm eine Hülle, daß er nicht sieht, und er durchwandelt den Kreis des Himmels.
15Willst du den Pfad der Vorzeit einhalten, welchen die Frevler betraten,
16die weggerafft wurden vor der Zeit? Wie ein Strom zerfloß ihr fester Grund;
17die zu Gott sprachen: Weiche von uns! Und was könnte der Allmächtige für uns tun?
18Und doch hatte er ihre Häuser mit Wohlstand erfüllt. Aber der Rat der Gesetzlosen sei fern von mir!
19Die Gerechten sehen es und freuen sich, und der Schuldlose spottet ihrer:
20Sind nicht unsere Gegner vertilgt, und hat nicht Feuer ihren Überfluß gefressen?
21Verkehre doch freundlich mit ihm und halte Frieden; dadurch wird Wohlfahrt über dich kommen.
22Empfange doch Belehrung aus seinem Munde, und nimm dir seine Worte zu Herzen.
23Wenn du zu dem Allmächtigen umkehrst, so wirst du wieder aufgebaut werden; wenn du Unrecht entfernst aus deinen Zelten.
24Und lege das Golderz in den Staub und das Gold von Ophir unter den Kies der Bäche;
25so wird der Allmächtige dein Golderz und dein glänzendes Silber sein.
26Denn dann wirst du an dem Allmächtigen dich ergötzen und zu Gott dein Angesicht erheben.
27Du wirst zu ihm beten, und er wird dich erhören; und deine Gelübde wirst du bezahlen.
28Beschließest du eine Sache, so wird sie zustande kommen, und Licht wird strahlen über deinen Wegen.
29Wenn sie abwärts gehen, so wirst du sagen: Empor! Und den, der mit gesenkten Augen einhergeht, wird er retten.
30Selbst den Nicht-Schuldlosen wird er befreien: er wird befreit werden durch die Reinheit deiner Hände.
Hiob 23
1Und Hiob antwortete und sprach:
2Auch heute ist meine Klage trotzig; seine Hand lastet schwer auf meinem Seufzen.
3O daß ich ihn zu finden wüßte, daß ich kommen könnte bis zu seiner Wohnstätte!
4Ich würde meine Rechtssache vor ihm darlegen, und meinen Mund mit Beweisgründen füllen.
5Ich würde die Worte wissen, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde.
6Würde er in der Größe seiner Kraft mit mir streiten? Nein; er würde nur acht auf mich haben.
7Alsdann würde ein Rechtschaffener mit ihm rechten, und auf ewig würde ich meinem Richter entkommen.
8Siehe, gehe ich vorwärts, so ist er nicht da; und rückwärts, so bemerke ich ihn nicht;
9zur Linken, während er wirkt, so schaue ich ihn nicht; er verhüllt sich zur Rechten, und ich sehe ihn nicht.
10Denn er kennt den Weg, der bei mir ist; prüfte er mich, wie Gold würde ich hervorgehen.
11An seinem Schritte hat mein Fuß festgehalten, und seinen Weg habe ich beobachtet und bin nicht abgebogen;
12von dem Gebote seiner Lippen bin ich nicht abgewichen, ich habe die Worte seines Mundes verwahrt, mehr als meinen eigenen Vorsatz.
13Doch er bleibt sich gleich, und wer kann seinen Sinn ändern? Was seine Seele begehrt, das tut er.
14Denn er wird vollenden, was über mich bestimmt ist; und dergleichen ist vieles bei ihm.
15Darum bin ich bestürzt vor seinem Angesicht; erwäge ich's, so erschrecke ich vor ihm.
16Ja, Gott hat mein Herz verzagt gemacht, und der Allmächtige mich in Bestürzung versetzt.
17Denn nicht wegen der Finsternis bin ich vernichtet, noch weil Dunkelheit mein Angesicht bedeckt hat.
Hiob 24
1Warum sind nicht Zeiten aufgespart von dem Allmächtigen, und warum sehen die, welche ihn kennen, seine Tage nicht?
2Sie verrücken die Grenzen, sie rauben die Herde und weiden sie.
3Sie treiben den Esel der Waisen weg, nehmen das Rind der Witwe zum Pfande;
4sie stoßen aus dem Wege die Dürftigen. Die Elenden des Landes verkriechen sich allesamt:
5Siehe, wie Wildesel in der Wüste gehen sie aus an ihr Werk, eifrig nach Beute suchend; die Steppe liefert ihnen Brot für die Kinder.
6Auf dem Felde schneiden sie sein Futterkorn ab und lesen den Weinberg des Gesetzlosen nach.
7Nackt übernachten sie, ohne Gewand, und haben keine Bedeckung in der Kälte.
8Vom Regenguß des Gebirges werden sie durchnäßt, und obdachlos umklammern sie den Felsen.
9Sie reißen die Waise von der Brust, und was der Elende anhat, nehmen sie zum Pfande.
10Nackt gehen sie einher, ohne Gewand, und hungernd tragen sie die Garbe;
11zwischen ihren Mauern pressen sie Öl, treten die Kelter und dursten.
12Von der Stadt her ächzen Sterbende, und die Seele der Erschlagenen schreit. Und Gott rechnet es nicht als Ungebühr an.
13Jene gehören zu den Feinden des Lichtes, sie kennen seine Wege nicht und weilen nicht auf seinen Pfaden.
14Mit dem Lichte steht der Mörder auf, tötet den Elenden und den Dürftigen; und des Nachts ist er dem Diebe gleich.
15Und das Auge des Ehebrechers lauert auf die Dämmerung, indem er spricht: Kein Auge wird mich erblicken; und er legt einen Schleier an.
16In der Finsternis erbricht man die Häuser. Bei Tage schließen sie sich ein, das Licht kennen sie nicht.
17Denn als Morgen gilt ihnen allesamt der Todesschatten, denn ein jeder von ihnen ist bekannt mit den Schrecken des Todesschattens.
18Er ist schnell auf der Wasserfläche, verflucht wird ihr Grundbesitz auf Erden; nicht mehr schlägt er den Weg zu den Weinbergen ein.
19Dürre und Hitze raffen Schneewasser hinweg: so der Scheol, die gesündigt haben.
20Der Mutterleib vergißt seiner, das Gewürm labt sich an ihm, nicht mehr wird seiner gedacht: und das Unrecht wird zerbrochen wie ein Baum,
21er, der die Unfruchtbare beraubt, die nicht gebiert, und der Witwe kein Gutes tut.
22Und Mächtige rafft er dahin durch seine Kraft; steht er auf, so getraut man sich nicht des Lebens.
23Er gibt ihm Sicherheit, und er wird gestützt. Aber seine Augen sind über ihren Wegen.
24Sie sind hochgestiegen: um ein Kleines, und sie sind nicht mehr; und sie sinken hin, werden zusammengerafft wie alle anderen; und wie der Kopf der Ähre werden sie abgeschnitten.
25Und wenn es nun nicht so ist, wer wird mich Lügen strafen und meine Rede zunichte machen?
Hiob 25
1Und Bildad, der Schuchiter, antwortete und sprach:
2Herrschaft und Schrecken sind bei ihm; er schafft Frieden in seinen Höhen.
3Sind seine Scharen zu zählen? Und über wem erhebt sich nicht sein Licht?
4Und wie könnte ein Mensch gerecht sein vor Gott, und wie könnte rein sein ein vom Weibe Geborener?
5Siehe, sogar der Mond scheint nicht hell, und die Sterne sind nicht rein in seinen Augen:
6wieviel weniger der Mensch, der Wurm, und das Menschenkind, die Made!
Hiob 26
1Und Hiob antwortete und sprach:
2Wie hast du dem Ohnmächtigen geholfen, den kraftlosen Arm gerettet!
3Wie hast du den beraten, der keine Weisheit hat, und gründliches Wissen in Fülle kundgetan!
4An wen hast du Worte gerichtet, und wessen Odem ist von dir ausgegangen?
5Die Schatten beben unter den Wassern und ihren Bewohnern.
6Der Scheol ist nackt vor ihm, und keine Hülle hat der Abgrund.
7Er spannt den Norden aus über der Leere, hängt die Erde auf über dem Nichts.
8Er bindet die Wasser in seine Wolken, und das Gewölk zerreißt nicht unter ihnen.
9Er verhüllt den Anblick seines Thrones, indem er sein Gewölk darüber ausbreitet.
10Er rundete eine Schranke ab über der Fläche der Wasser bis zum äußersten Ende, wo Licht und Finsternis zusammentreffen.
11Die Säulen des Himmels wanken und entsetzen sich vor seinem Schelten.
12Durch seine Kraft erregt er das Meer, und durch seine Einsicht zerschellt er Rahab.
13Durch seinen Hauch wird der Himmel heiter, seine Hand durchbohrt den flüchtigen Drachen.
14Siehe, das sind die Säume seiner Wege; und wie wenig haben wir von ihm gehört! Und den Donner seiner Macht, wer versteht ihn?
Hiob 27
1Und Hiob fuhr fort, seinen Spruch anzuheben, und sprach:
2So wahr Gott lebt, der mir mein Recht entzogen, und der Allmächtige, der meine Seele bitter gemacht hat,
3so lange mein Odem in mir ist, und der Hauch Gottes in meiner Nase:
4wenn meine Lippen Unrecht reden werden, und wenn meine Zunge Trug aussprechen wird!
5Fern sei es von mir, daß ich euch recht geben sollte; bis ich verscheide, werde ich meine Unsträflichkeit nicht von mir weichen lassen.
6An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und werde sie nicht fahren lassen: mein Herz schmäht nicht einen von meinen Tagen.
7Mein Feind sei wie der Gesetzlose, und der wider mich auftritt wie der Ungerechte.
8Denn was ist des Ruchlosen Hoffnung, wenn Gott abschneidet, wenn er seine Seele herauszieht?
9Wird Gott sein Geschrei hören, wenn Bedrängnis über ihn kommt?
10Oder wird er sich an dem Allmächtigen ergötzen, Gott anrufen zu aller Zeit?
11Ich will euch belehren über die Hand Gottes; was bei dem Allmächtigen ist, will ich nicht verhehlen.
12Siehe, ihr selbst habt es alle erschaut, und warum denn schwatzet ihr so eitel?
13Dies ist das Teil des gesetzlosen Menschen bei Gott, und das Erbe der Gewalttätigen, welches sie von dem Allmächtigen empfangen:
14Wenn seine Kinder sich mehren, so ist er für das Schwert, und seine Sprößlinge, sie haben nicht satt Brot.
15Seine Übriggebliebenen werden begraben durch den Tod, und seine Witwen weinen nicht.
16Wenn er Silber aufhäuft wie Staub, und Kleider bereitet wie Lehm:
17er bereitet sie, aber der Gerechte bekleidet sich damit; und Schuldlose teilen sich in das Silber.
18Er hat sein Haus gebaut wie die Motte, und der Hütte gleich, die ein Wächter sich macht.
19Reich legt er sich ihn, und er tut es nicht wieder; er schlägt die Augen auf, und ist nicht mehr.
20Schrecken ereilen ihn wie Wasser, des Nachts entführt ihn ein Sturmwind.
21Der Ostwind hebt ihn empor, daß er dahinfährt, und stürmt ihn fort von seiner Stätte.
22Und Gott schleudert auf ihn ohne Schonung; seiner Hand möchte er flüchtend entfliehen.
23Man klatscht über ihn in die Hände, und zischt ihm nach von seiner Stätte aus.
Hiob 28
1Denn für das Silber gibt es einen Fundort, und eine Stätte für das Gold, das man läutert.
2Eisen wird hervorgeholt aus der Erde, und Gestein schmelzt man zu Kupfer.
3Er hat der Finsternis ein Ende gesetzt, und durchforscht bis zur äußersten Grenze das Gestein der Finsternis und des Todesschattens.
4Er bricht einen Schacht fern von dem Wohnenden; die von dem Fuße Vergessenen hangen hinab, fern von den Menschen schweben sie.
5Die Erde, aus ihr kommt Brot hervor, und ihr Unteres wird zerwühlt wie vom Feuer.
6Ihr Gestein ist der Sitz des Saphirs, und Goldstufen sind darin.
7Ein Pfad, den der Raubvogel nicht kennt, und den das Auge des Habichts nicht erblickt hat;
8den die wilden Tiere nicht betreten, über den der Löwe nicht hingeschritten ist.
9Er legt seine Hand an das harte Gestein, wühlt die Berge um von der Wurzel aus.
10Kanäle haut er durch die Felsen, und allerlei Köstliches sieht sein Auge.
11Er dämmt Flüsse ein, daß sie nicht durchsickern, und Verborgenes zieht er hervor an das Licht.
12Aber die Weisheit, wo wird sie erlangt? Und welches ist die Stätte des Verstandes?
13Kein Mensch kennt ihren Wert, und im Lande der Lebendigen wird sie nicht gefunden.
14Die Tiefe spricht: Sie ist nicht in mir, und das Meer spricht: Sie ist nicht bei mir.
15Geläutertes Gold kann nicht für sie gegeben, und Silber nicht dargewogen werden als ihr Kaufpreis.
16Sie wird nicht aufgewogen mit Gold von Ophir, mit kostbarem Onyx und Saphir.
17Gold und Glas kann man ihr nicht gleichstellen, noch sie eintauschen gegen ein Gerät von gediegenem Golde.
18Korallen und Kristall kommen neben ihr nicht in Erwähnung; und der Besitz der Weisheit ist mehr wert als Perlen.
19Nicht kann man ihr gleichstellen den Topas von Äthiopien; mit feinem Golde wird sie nicht aufgewogen.
20Die Weisheit nun, woher kommt sie, und welches ist die Stätte des Verstandes?
21Denn sie ist verborgen vor den Augen aller Lebendigen, und vor den Vögeln des Himmels ist sie verhüllt.
22Der Abgrund und der Tod sagen: Mit unseren Ohren haben wir ein Gerücht von ihr gehört.
23Gott versteht ihren Weg, und er kennt ihre Stätte.
24Denn er schaut bis zu den Enden der Erde; unter dem ganzen Himmel sieht er.
25Als er dem Winde ein Gewicht bestimmte, und die Wasser mit dem Maße abwog,
26als er dem Regen ein Gesetz bestimmte und eine Bahn dem Donnerstrahl:
27da sah er sie und tat sie kund, er setzte sie ein und durchforschte sie auch.
28Und zu dem Menschen sprach er: Siehe, die Furcht des Herrn ist Weisheit, und vom Bösen weichen ist Verstand.
Hiob 29
1Und Hiob fuhr fort, seinen Spruch anzuheben, und sprach:
2O daß ich wäre wie in den Monden der Vorzeit, wie in den Tagen, da Gott mich bewahrte,
3als seine Leuchte über meinem Haupte schien, und ich bei seinem Lichte durch die Finsternis wandelte;
4wie ich war in den Tagen meiner Reife, als das Vertrauen Gottes über meinem Zelte waltete,
5als der Allmächtige noch mit mir war, meine Knaben rings um mich her;
6als meine Schritte sich in Milch badeten, und der Fels neben mir Ölbäche ergoß;
7als ich durch das Tor in die Stadt hineinging, meinen Sitz auf dem Platze aufstellte:
8Die Jünglinge sahen mich und verbargen sich, und die Greise erhoben sich, blieben stehen;
9die Fürsten hielten die Worte zurück und legten die Hand auf ihren Mund;
10die Stimme der Vornehmen verstummte, und ihre Zunge klebte an ihrem Gaumen.
11Denn wenn das Ohr von mir hörte, so pries es mich glücklich, und wenn das Auge mich sah, so legte es Zeugnis von mir ab.
12Denn ich befreite den Elenden, der um Hilfe rief, und die Waise, die keinen Helfer hatte.
13Der Segen des Umkommenden kam über mich, und das Herz der Witwe machte ich jubeln.
14Ich kleidete mich in Gerechtigkeit, und sie bekleidete mich, wie in Oberkleid und Kopfbund in mein Recht.
15Auge war ich dem Blinden, und Fuß dem Lahmen;
16Vater war ich den Dürftigen, und die Rechtssache dessen, den ich nicht kannte, untersuchte ich;
17und ich zerbrach das Gebiß des Ungerechten, und seinen Zähnen entriß ich die Beute.
18Und ich sprach: In meinem Neste werde ich verscheiden, und meine Tage vermehren wie der Sand;
19meine Wurzel wird ausgebreitet sein am Wasser, und der Tau wird übernachten auf meinem Gezweig;
20meine Ehre wird frisch bei mir bleiben, und mein Bogen sich in meiner Hand verjüngen.
21Sie hörten mir zu und harrten, und horchten schweigend auf meinen Rat.
22Nach meinem Worte sprachen sie nicht wieder, und auf sie träufelte meine Rede.
23Und sie harrten auf mich wie auf den Regen, und sperrten ihren Mund auf wie nach dem Spätregen.
24Ich lächelte ihnen zu, wenn sie kein Vertrauen hatten, und das Licht meines Angesichts konnten sie nicht trüben.
25Ich wählte für sie den Weg aus, und saß als Haupt, und thronte wie ein König unter der Kriegsschar, gleichwie einer, der Trauernde tröstet.
Hiob 30
1Und nun lachen über mich Jüngere als ich an Jahren, deren Väter ich verschmähte, den Hunden meiner Herde beizugesellen.
2Wozu sollte mir auch die Kraft ihrer Hände nützen? Die Rüstigkeit ist bei ihnen verschwunden.
3Durch Mangel und Hunger abgezehrt, nagen sie das dürre Land ab, welches längst öde und verödet ist;
4sie pflücken Salzkraut bei den Gesträuchen, und die Wurzel der Ginster ist ihre Speise.
5Aus der Mitte der Menschen werden sie vertrieben; man schreit über sie wie über einen Dieb.
6In grausigen Klüften müssen sie wohnen, in Erdlöchern und Felsenhöhlen.
7Zwischen Gesträuchen kreischen sie, unter Dorngestrüpp sind sie hingestreckt.
8Kinder von Verworfenen, ja, Kinder von Ehrlosen, sind sie hinausgepeitscht aus dem Lande!
9Und nun bin ich ihr Spottlied geworden, und ward ihnen zum Gerede.
10Sie verabscheuen mich, treten fern von mir weg, und sie verschonen mein Angesicht nicht mit Speichel.
11Denn er hat meinen Strick gelöst und mich gebeugt: so lassen sie vor mir den Zügel schießen.
12Zu meiner Rechten erhebt sich die Brut; sie stoßen meine Füße hinweg und bahnen wider mich ihre verderblichen Wege.
13Sie zerstören meinen Pfad, befördern meinen Untergang, sie, die selbst hilflos sind.
14Sie kommen wie durch einen weiten Riß, unter Gekrach wälzen sie sich heran.
15Schrecknisse haben sich gegen mich gekehrt; sie verfolgen wie der Wind meine Würde, und mein Heil ist vorübergezogen wie eine Wolke.
16Und nun ergießt sich in mir meine Seele; Tage des Elends haben mich ergriffen.
17Die Nacht durchbohrt meine Gebeine und löst sie von mir ab, und die an mir nagenden Schmerzen ruhen nicht.
18Durch die Größe ihrer Kraft verändert sich mein Gewand, es umschließt mich wie der Halssaum meines Leibrocks.
19Er hat mich in den Kot geworfen, und ich bin dem Staube und der Asche gleich geworden.
20Ich schreie zu dir, und du antwortest mir nicht; ich stehe da, und du starrst mich an.
21In einen Grausamen verwandelst du dich mir, mit der Stärke deiner Hand befeindest du mich.
22Du hebst mich empor auf den Wind, du lässest mich dahinfahren und zerrinnen im Sturmgetöse.
23Denn ich weiß es, du willst mich in den Tod zurückführen und in das Versammlungshaus aller Lebendigen.
24Doch streckt man beim Sturze nicht die Hand aus, oder erhebt man bei seinem Untergang nicht darob ein Hilfsgeschrei?
25Weinte ich denn nicht über den, der harte Tage hatte? War meine Seele nicht um den Dürftigen bekümmert?
26Denn ich erwartete Gutes, und es kam Böses; und ich harrte auf Licht, und es kam Finsternis.
27Meine Eingeweide wallen und ruhen nicht; Tage des Elends sind mir entgegengetreten.
28Trauernd gehe ich einher, ohne Sonne; ich stehe auf in der Versammlung und schreie.
29Ich bin ein Bruder geworden den Schakalen, und ein Genosse den Straußen.
30Meine Haut ist schwarz geworden und löst sich von mir ab, und mein Gebein ist brennend vor Glut.
31Und so ist meine Laute zur Trauerklage geworden, und meine Schalmei zur Stimme der Weinenden.
Hiob 31
1Ich habe mit meinen Augen einen Bund gemacht, und wie hätte ich auf eine Jungfrau geblickt!
2Denn was wäre das Teil Gottes von oben gewesen, und das Erbe des Allmächtigen aus den Höhen?
3Ist nicht Verderben für den Ungerechten, und Mißgeschick für die, welche Frevel tun?
4Sieht er nicht meine Wege und zählt alle meine Schritte?
5Wenn ich mit Falschheit umgegangen bin und mein Fuß dem Truge zugeeilt ist,
6er wäge mich auf der Waage der Gerechtigkeit, und Gott wird meine Unsträflichkeit erkennen,
7wenn mein Schritt von dem Wege abgebogen, und mein Herz meinen Augen gefolgt ist, und an meinen Händen ein Makel kleben blieb:
8so möge ich säen, und ein anderer essen, und meine Sprößlinge mögen entwurzelt werden!
9Wenn mein Herz zu einem Weibe verlockt worden ist und ich an der Tür meines Nächsten gelauert habe:
10so möge mein Weib für einen anderen mahlen, und andere mögen sich über sie beugen!
11Denn das ist eine Schandtat, und das eine Missetat für die Richter.
12Denn ein Feuer ist es, das bis zum Abgrund frißt, und das meinen ganzen Ertrag entwurzeln würde.
13Wenn ich das Recht meines Knechtes und meiner Magd mißachtete, als sie mit mir stritten:
14was wollte ich dann tun, wenn Gott sich erhöbe; und wenn er untersuchte, was ihm erwidern?
15Hat nicht er, der mich im Mutterleibe bereitete, auch ihn bereitet, und hat nicht einer im Schoße uns gebildet?
16Wenn ich den Armen ihr Begehr versagte, und die Augen der Witwe verschmachten ließ,
17und aß meinen Bissen allein, so daß der Verwaiste nicht davon gegessen hat-
18ist er doch von meiner Jugend an bei mir aufgewachsen, wie bei einem Vater, und von meiner Mutter Leibe an habe ich sie geleitet;
19wenn ich jemand umkommen sah aus Mangel an Kleidung, und den Dürftigen ohne Decke,
20wenn seine Lenden mich nicht gesegnet haben, und er mit der Wolle meiner Lämmer sich nicht erwärmte;
21wenn ich meine Hand geschwungen über eine Waise, weil ich im Tore meinen Beistand sah:
22so falle meine Schulter aus ihrem Blatt, und mein Arm werde abgebrochen von der Röhre!
23Denn das Verderben Gottes war mir ein Schrecken, und vor seiner Erhabenheit vermochte ich nichts.
24Wenn ich das Gold zu meiner Zuversicht gemacht, und zu dem feinen Golde gesagt habe: Mein Vertrauen!
25wenn ich mich freute, daß mein Vermögen groß war, und daß meine Hand Ansehnliches erworben hatte;
26wenn ich die Sonne sah, wie sie glänzte, und den Mond in Pracht dahinwandeln,
27und mein Herz im Geheimen verführt wurde und mein Mund meine Hand geküßt hat:
28auch das wäre eine gerichtlich zu strafende Missetat; denn Gott droben würde ich verleugnet haben.
29Wenn ich mich freute über das Unglück meines Hassers und aufjauchzte, als Böses ihn traf,
30nie habe ich ja meinem Gaumen erlaubt, zu sündigen, durch einen Fluch seine Seele zu fordern;
31wenn die Leute meines Zeltes nicht gesagt haben: Wer wäre nicht von dem Fleische seines Schlachtviehes satt geworden!
32der Fremdling übernachtete nicht draußen, ich öffnete dem Wanderer meine Tür;
33wenn ich, wie Adam, meine Übertretungen zugedeckt habe, verbergend in meinem Busen meine Missetat,
34weil ich mich fürchtete vor der großen Menge, und die Verachtung der Familien mich erschreckte, so daß ich mich still hielt, nicht zur Türe hinausging...
35O daß ich einen hätte, der auf mich hörte, hier ist meine Unterschrift; der Allmächtige antworte mir! und die Klageschrift, welche mein Gegner geschrieben!
36Würde ich sie nicht auf meiner Schulter tragen, sie mir umbinden als Krone?
37Ich würde ihm kundtun die Zahl meiner Schritte, würde ihm nahen wie ein Fürst.
38Wenn mein Acker über mich schreit, und seine Furchen allesamt weinen;
39wenn ich seinen Ertrag ohne Zahlung verzehrt habe, und die Seele seiner Besitzer aushauchen ließ:
40so mögen Dornen statt Weizen, und Unkraut statt Gerste hervorkommen! Die Worte Hiobs sind zu Ende.
Hiob 32
1Und jene drei Männer hörten auf, dem Hiob zu antworten, weil er in seinen Augen gerecht war.
2Da entbrannte der Zorn Elihus, des Sohnes Barakeels, des Busiters, vom Geschlechte Ram; sein Zorn entbrannte wider Hiob, weil er sich selbst mehr rechtfertigte als Gott.
3Und sein Zorn entbrannte wider seine drei Freunde, darum, daß sie keine Antwort fanden und Hiob verdammten.
4Aber Elihu hatte auf Hiob gewartet mit Reden, weil jene älter an Jahren waren als er.
5Und als Elihu sah, daß keine Antwort in dem Munde der drei Männer war, da entbrannte sein Zorn.
6Und Elihu, der Sohn Barakeels, der Busiter, hob an und sprach: Ich bin jung an Jahren, und ihr seid Greise; darum habe ich mich gescheut und gefürchtet, euch mein Wissen kundzutun.
7Ich sagte: Mögen die Tage reden, und die Menge der Jahre Weisheit verkünden.
8Jedoch der Geist ist es in den Menschen, und der Odem des Allmächtigen, der sie verständig macht.
9Nicht die Bejahrten sind weise, noch verstehen die Alten, was recht ist.
10Darum sage ich: Höre mir zu, auch ich will mein Wissen kundtun.
11Siehe, ich harrte auf eure Reden, horchte auf eure Einsichten, bis ihr Worte ausfindig gemacht hättet,
12und ich richtete meine Aufmerksamkeit auf euch; und siehe, keiner ist unter euch, der Hiob widerlegt, der seine Reden beantwortet hätte.
13Daß ihr nur nicht saget: Wir haben Weisheit gefunden. Gott wird ihn aus dem Felde schlagen, nicht ein Mensch!
14Er hat ja an mich keine Worte gerichtet, und mit euren Reden werde ich ihm nicht erwidern.
15Sie sind bestürzt, sie antworten nicht mehr, die Worte sind ihnen ausgegangen.
16Und ich sollte warten, weil sie nicht reden, weil sie dastehen, nicht mehr antworten?
17Auch ich will mein Teil erwidern, auch ich will mein Wissen kundtun.
18Denn voll bin ich von Worten; der Geist meines Innern drängt mich.
19Siehe, mein Inneres ist wie Wein, der nicht geöffnet ist; gleich neuen Schläuchen will es bersten.
20Ich will reden, daß mir Luft werde, will meine Lippen auftun und antworten.
21Daß ich nur ja für niemand Partei nehme! Und keinem Menschen werde ich schmeicheln.
22Denn ich weiß nicht zu schmeicheln: gar bald würde mein Schöpfer mich hinwegnehmen.
Hiob 33
1Nun aber, Hiob, höre doch meine Reden, und nimm zu Ohren alle meine Worte.
2Siehe doch, ich habe meinen Mund aufgetan, meine Zunge redet in meinem Gaumen.
3Meine Worte sollen die Geradheit meines Herzens sein, und was meine Lippen wissen, sollen sie rein heraussagen.
4Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen belebt mich.
5Wenn du kannst, so antworte mir; rüste dich vor mir, stelle dich!
6Siehe, ich bin Gottes, wie du; vom Tone abgekniffen bin auch ich.
7Siehe, mein Schrecken wird dich nicht ängstigen, und mein Druck wird nicht schwer auf dir lasten.
8Fürwahr, du hast vor meinen Ohren gesprochen, und ich hörte die Stimme der Worte:
9Ich bin rein, ohne Übertretung; ich bin makellos, und keine Ungerechtigkeit ist an mir.
10Siehe, er erfindet Feindseligkeiten wider mich; er hält mich für seinen Feind.
11Er legt meine Füße in den Stock, beobachtet alle meine Pfade.
12Siehe, darin hast du nicht recht, antworte ich dir; denn Gott ist erhabener als ein Mensch.
13Warum hast du wider ihn gehadert? Denn über all sein Tun gibt er keine Antwort.
14Doch in einer Weise redet Gott und in zweien, ohne daß man es beachtet.
15Im Traume, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt, im Schlummer auf dem Lager:
16dann öffnet er das Ohr der Menschen und besiegelt die Unterweisung, die er ihnen gibt,
17um den Menschen von seinem Tun abzuwenden, und auf daß er Übermut vor dem Manne verberge;
18daß er seine Seele zurückhalte von der Grube, und sein Leben vom Rennen ins Geschoß.
19Auch wird er gezüchtigt mit Schmerzen auf seinem Lager und mit beständigem Kampf in seinen Gebeinen.
20Und sein Leben verabscheut das Brot, und seine Seele die Lieblingsspeise;
21sein Fleisch zehrt ab, daß man es nicht mehr sieht, und entblößt sind seine Knochen, die nicht gesehen wurden;
22und seine Seele nähert sich der Grube, und sein Leben den Würgern.
23Wenn es nun für ihn einen Gesandten gibt, einen Ausleger, einen aus tausend, um dem Menschen seine Geradheit kundzutun,
24so wird er sich seiner erbarmen und sprechen: Erlöse ihn, daß er nicht in die Grube hinabfahre; ich habe eine Sühnung gefunden.
25Sein Fleisch wird frischer sein als in der Jugend; er wird zurückkehren zu den Tagen seiner Jünglingskraft.
26Er wird zu Gott flehen, und Gott wird ihn wohlgefällig annehmen, und er wird sein Angesicht schauen mit Jauchzen; und Gott wird dem Menschen seine Gerechtigkeit vergelten.
27Er wird von den Menschen singen und sagen: Ich hatte gesündigt und die Geradheit verkehrt, und es ward mir nicht vergolten;
28er hat meine Seele erlöst, daß sie nicht in die Grube fahre, und mein Leben erfreut sich des Lichtes.
29Siehe, das alles tut Gott zwei-,dreimal mit dem Manne,
30um seine Seele abzuwenden von der Grube, daß sie erleuchtet werde von dem Lichte der Lebendigen.
31Merke auf, Hiob, höre mir zu; schweige, und ich will reden.
32Wenn du Worte hast, so antworte mir; rede, denn ich wünsche dich zu rechtfertigen.
33Wenn nicht, so höre du mir zu; schweige, und ich werde dich Weisheit lehren.
Hiob 34
1Und Elihu hob wieder an und sprach:
2Höret, ihr Weisen, meine Worte, und ihr Kundigen, gebet mir Gehör!
3Denn das Ohr prüft die Worte, wie der Gaumen die Speise kostet.
4Erwählen wir für uns, was recht, erkennen wir unter uns, was gut ist!
5Denn Hiob hat gesagt: Ich bin gerecht, und Gott hat mir mein Recht entzogen.
6Trotz meines Rechtes soll ich lügen; meine Wunde ist unheilbar, ohne daß ich übertreten habe.
7Wer ist ein Mann wie Hiob, der Hohn trinkt wie Wasser,
8und in Gesellschaft geht mit denen, die Frevel tun, und wandelt mit gottlosen Menschen?
9Denn er hat gesagt: Keinen Nutzen hat ein Mann davon, daß er Wohlgefallen an Gott hat!
10Darum höret mir zu, ihr Männer von Verstand! Fern sei Gott von Gesetzlosigkeit, und der Allmächtige von Unrecht!
11Sondern des Menschen Tun vergilt er ihm, und nach jemandes Wege läßt er es ihn finden.
12Ja, wahrlich, Gott handelt nicht gesetzlos, und der Allmächtige beugt nicht das Recht.
13Wer hat ihm die Erde anvertraut? Und wer den ganzen Erdkreis gegründet?
14Wenn er sein Herz nur auf sich selbst richtete, seinen Geist und seinen Odem an sich zurückzöge,
15so würde alles Fleisch insgesamt verscheiden, und der Mensch zum Staube zurückkehren.
16Und wenn du doch dieses einsehen und hören, der Stimme meiner Worte Gehör schenken wolltest!
17Sollte auch herrschen, wer das Recht haßt? Oder willst du den Allgerechten verdammen?
18Sagt man zu einem Könige: Belial, zu Edlen: Du Gottloser?
19Wieviel weniger zu ihm, der die Person der Fürsten nicht ansieht und den Reichen nicht vor dem Armen berücksichtigt! Denn sie alle sind das Werk seiner Hände.
20In einem Augenblick sterben sie; und in der Mitte der Nacht wird ein Volk erschüttert und vergeht, und Mächtige werden beseitigt ohne Hand.
21Denn seine Augen sind auf die Wege des Menschen gerichtet, und er sieht alle seine Schritte.
22Da ist keine Finsternis und kein Todesschatten, daß sich darein verbergen könnten, die Frevel tun.
23Denn er braucht nicht lange auf einen Menschen acht zu geben, damit er vor Gott ins Gericht komme.
24Er zerschmettert Gewaltige ohne Untersuchung, und setzt andere an ihre Stelle.
25Daher kennt er ihre Handlungen, und kehrt sie um über Nacht; und sie werden zermalmt.
26Er schlägt sie, wie Übeltäter, auf öffentlichem Platze,
27darum daß sie von seiner Nachfolge abgewichen sind und alle seine Wege nicht bedacht haben,
28um zu ihm hinaufdringen zu lassen das Schreien des Armen, und damit er das Schreien der Elenden höre.
29Schafft er Ruhe, wer will beunruhigen? Und verbirgt er das Angesicht, wer kann ihn schauen? So handelt er sowohl gegen ein Volk, als auch gegen einen Menschen zumal,
30damit der ruchlose Mensch nicht regiere, damit sie nicht Fallstricke des Volkes seien.
31Denn hat er wohl zu Gott gesagt: Ich trage meine Strafe, ich will nicht mehr verderbt handeln;
32was ich nicht sehe, zeige du mir; wenn ich Unrecht verübt habe, so will ich es nicht mehr tun?
33Soll nach deinem Sinne er es vergelten? Denn du hast seine Vergeltung verworfen, und so mußt du wählen, und nicht ich; was du weißt, reden denn!
34Männer von Verstand werden zu mir sagen, und ein weiser Mann, der mir zuhört:
35Hiob redet nicht mit Erkenntnis, und seine Worte sind ohne Einsicht.
36Ach, daß doch Hiob fort und fort geprüft würde wegen seiner Antworten nach Frevlerart!
37Denn er fügt seiner Sünde Übertretung hinzu, klatscht unter uns in die Hände und mehrt seine Worte gegen Gott.
Hiob 35
1Und Elihu hob wieder an und sprach:
2Hältst du das für recht? Du hast gesagt: Meine Gerechtigkeit ist größer als diejenige Gottes.
3Denn du fragst, was sie dir nütze; was gewinne ich mehr, als wenn ich gesündigt hätte?
4Ich will dir Worte erwidern und deinen Genossen mit dir.
5Blicke gen Himmel und sieh, und schaue die Wolken an, sie sind höher als du.
6Wenn du sündigst, was tust du ihm an? Und mehren sich deine Übertretungen, was fügst du ihm zu?
7Wenn du gerecht bist, was gibst du ihm, oder was empfängt er aus deiner Hand?
8Für einen Mann wie du gilt deine Gesetzlosigkeit etwas, und für ein Menschenkind deine Gerechtigkeit.
9Wegen der Menge der Bedrückungen schreit man; man ruft um Hilfe wegen des Armes der Großen.
10Aber man spricht nicht: Wo ist Gott, mein Schöpfer, der Gesänge gibt in der Nacht,
11der uns mehr belehrt als die Tiere der Erde, und uns weiser macht als das Gevögel des Himmels?
12Alsdann schreit man, aber er antwortet nicht, wegen des Hochmuts der Bösen.
13Auf nur Eitles hört Gott nicht, und der Allmächtige schaut es nicht an.
14Wenn du auch sagst, du schauest ihn nicht, die Rechtssache ist vor ihm; so harre sein.
15Und nun, wenn sein Zorn nicht heimgesucht hat, sollte er nicht sehr wohl um den Übermut wissen?
16Und so sperrt Hiob eitler Weise seinen Mund auf, häuft Worte ohne Erkenntnis.
Hiob 36
1Und Elihu fuhr fort und sprach:
2Harre mir ein wenig, und ich will dir berichten; denn noch sind Worte da für Gott.
3Ich will mein Wissen von weither holen, und meinem Schöpfer Gerechtigkeit geben.
4Denn wahrlich, meine Worte sind keine Lüge; ein an Wissen Vollkommener ist bei dir.
5Siehe, Gott ist mächtig, und doch verachtet er niemand, mächtig an Kraft des Verstandes.
6Er erhält den Gesetzlosen nicht am Leben, und das Recht der Elenden gewährt er.
7Er zieht seine Augen nicht ab von dem Gerechten, und mit Königen auf den Thron, dahin setzt er sie auf immerdar, und sie sind erhöht.
8Und wenn sie mit Fesseln gebunden sind, in Stricken des Elends gefangen werden,
9dann macht er ihnen kund ihr Tun und ihre Übertretungen, daß sie sich trotzig gebärdeten;
10und er öffnet ihr Ohr der Zucht und spricht, daß sie umkehren sollen vom Frevel.
11Wenn sie hören und sich unterwerfen, so werden sie ihre Tage in Wohlfahrt verbringen und ihre Jahre in Annehmlichkeiten.
12Wenn sie aber nicht hören, so rennen sie ins Geschoß und verscheiden ohne Erkenntnis.
13Aber die ruchlosen Herzens sind, hegen Zorn: sie rufen nicht um Hilfe, wenn er sie gefesselt hat.
14Ihre Seele stirbt dahin in der Jugend, und ihr Leben unter den Schandbuben.
15Den Elenden errettet er in seinem Elend, und in der Drangsal öffnet er ihnen das Ohr.
16So hätte er auch dich aus dem Rachen der Bedrängnis in einen weiten Raum geführt, wo keine Beengung gewesen, und die Besetzung deines Tisches würde voll Fett sein.
17Aber du bist mit dem Urteil des Gesetzlosen erfüllt: Urteil und Gericht werden dich ergreifen.
18Denn der Grimm, möge er dich ja nicht verlocken zur Verhöhnung, und die Größe des Lösegeldes verleite dich nicht!
19Soll dich dein Schreien außer Bedrängnis stellen und alle Anstrengungen der Kraft?
20Sehne dich nicht nach der Nacht, welche Völker plötzlich hinwegheben wird.
21Hüte dich, wende dich nicht zum Frevel, denn das hast du dem Elend vorgezogen.
22Siehe, Gott handelt erhaben in seiner Macht; wer ist ein Lehrer wie er?
23Wer hat ihm seinen Weg vorgeschrieben, und wer dürfte sagen: Du hast Unrecht getan?
24Gedenke daran, daß du sein Tun erhebest, welches Menschen besingen.
25Alle Menschen schauen es an, der Sterbliche erblickt es aus der Ferne.
26Siehe, Gott ist zu erhaben für unsere Erkenntnis; die Zahl seiner Jahre, sie ist unerforschlich.
27Denn er zieht Wassertropfen herauf; von dem Dunst, den er bildet,
28träufeln sie als Regen, den die Wolken rieseln und tropfen lassen auf viele Menschen.
29Versteht man gar das Ausbreiten des Gewölks, das Krachen seines Zeltes?
30Siehe, er breitet sein Licht um sich aus, und die Gründe des Meeres bedeckt er.
31Denn durch dieses richtet er Völker, gibt Speise im Überfluß.
32Seine Hände umhüllt er mit dem Blitz, und er entbietet ihn gegen denjenigen, den er treffen soll.
33Sein Rollen kündigt ihn an, sogar das Vieh sein Heranziehen.
Hiob 37
1Ja, darüber erzittert mein Herz und bebt auf von seiner Stelle.
2Höret, höret das Getöse seiner Stimme und das Gemurmel, das aus seinem Munde hervorgeht!
3Er sendet es aus unter den ganzen Himmel, und seinen Blitz bis zu den Säumen der Erde.
4Nach dem Blitze brüllt eine Stimme; er donnert mit seiner erhabenen Stimme, und hält die Blitze nicht zurück, wenn seine Stimme gehört wird.
5Gott donnert wunderbar mit seiner Stimme; er tut große Dinge, die wir nicht begreifen.
6Denn zum Schnee spricht er: Falle zur Erde! und zum Regengusse und den Güssen seines gewaltigen Regens.
7Er lähmt die Hand eines jeden Menschen, damit alle Menschen sein Werk kennen lernen.
8Und das Wild geht in sein Versteck und bleibt in seinen Höhlen.
9Aus der Kammer des Südens kommt Sturm, und von den Nordwinden Kälte.
10Durch den Odem Gottes entsteht Eis, und die Breite der Wasser zieht sich zusammen.
11Auch beladet er mit Wasserfülle das Gewölk, breitet weithin aus seine Blitzwolken.
12Und unter seiner Leitung wenden sie sich ringsumher zu ihrem Werke, zu allem, was er ihnen gebietet, über die Fläche des Erdkreises hin,
13sei es, daß er sie zur Geißel, oder für seine Erde, oder zur Erweisung seiner Gnade sich entladen läßt.
14Nimm dieses zu Ohren, Hiob; stehe und betrachte die Wunder Gottes!
15Weißt du, wie Gott sie beladet, und leuchten läßt den Blitz seines Gewölks?
16Verstehst du dich auf das Schweben der Wolke, auf die Wundertaten des an Wissen Vollkommenen?
17Du, dessen Kleider heiß werden, wenn das Land schwül wird von Süden her,
18kannst du, gleich ihm, das Himmelsgewölbe ausbreiten, fest wie ein gegossener Spiegel?
19Tue uns kund, was wir ihm sagen sollen! Wir können vor Finsternis nichts vorbringen.
20Soll ihm gemeldet werden, daß ich reden wolle? Wenn jemand zu ihm spricht, er wird gewiß verschlungen werden.
21Und jetzt sieht man das Licht nicht, welches leuchtet am Himmelsgewölbe; aber ein Wind fährt daher und reinigt dasselbe.
22Aus dem Norden kommt Gold: um Gott ist furchtbare Pracht;
23den Allmächtigen, den erreichen wir nicht, den Erhabenen an Kraft; und das Recht und der Gerechtigkeit Fülle beugt er nicht.
24Darum fürchten ihn die Menschen; er sieht keine an, die weisen Herzens sind.
Hiob 38
1Und Jehova antwortete Hiob aus dem Sturme und sprach:
2Wer ist es, der den Rat verdunkelt mit Worten ohne Erkenntnis?
3Gürte doch wie ein Mann deine Lenden; so will ich dich fragen, und du belehre mich!
4Wo warst du, als ich die Erde gründete? Tue es kund, wenn du Einsicht besitzest!
5Wer hat ihre Maße bestimmt, wenn du es weißt? Oder wer hat über sie die Meßschnur gezogen?
6In was wurden ihre Grundfesten eingesenkt?
7Oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten?
8Und wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es ausbrach, hervorkam aus dem Mutterschoße,
9als ich Gewölk zu seinem Gewande und Wolkendunkel zu seiner Windel machte,
10und ich ihm meine Grenze bestimmte und Riegel und Tore setzte,
11und sprach: Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter, und hier sei eine Schranke gesetzt dem Trotze deiner Wellen?
12Hast du, seitdem du lebst, einem Morgen geboten? Hast du die Morgenröte ihre Stätte wissen lassen,
13daß sie erfasse die Säume der Erde, und die Gesetzlosen von ihr verscheucht werden?
14Sie verwandelt sich wie Siegelton, und alles steht da wie in einem Gewande;
15und den Gesetzlosen wird ihr Licht entzogen, und der erhobene Arm wird zerbrochen.
16Bist du gekommen bis zu den Quellen des Meeres, und hast du die Gründe der Tiefe durchwandelt?
17Wurden dir die Pforten des Todes enthüllt, und sahest du die Pforten des Todesschattens?
18Hast du Einsicht genommen in die Breiten der Erde? Sage an, wenn du es alles weißt!
19Welches ist der Weg zur Wohnung des Lichtes, und die Finsternis, wo ist ihre Stätte?
20Daß du sie hinbrächtest zu ihrer Grenze, und daß du der Pfade zu ihrem Hause kundig wärest.
21Du weißt es ja; denn damals wurdest du geboren, und die Zahl deiner Tage ist groß!
22Bist du zu den Vorräten des Schnees gekommen, und hast du gesehen die Vorräte des Hagels,
23die ich aufgespart habe für die Zeit der Bedrängnis, für den Tag des Kampfes und der Schlacht?
24Welches ist der Weg, auf dem das Licht sich verteilt, der Ostwind sich verbreitet über die Erde?
25Wer teilt der Regenflut Kanäle ab und einen Weg dem Donnerstrahle,
26um regnen zu lassen auf ein Land ohne Menschen, auf die Wüste, in welcher kein Mensch ist,
27um zu sättigen die Öde und Verödung, und um hervorsprießen zu lassen die Triebe des Grases?
28Hat der Regen einen Vater, oder wer zeugt die Tropfen des Taues?
29Aus wessen Schoße kommt das Eis hervor, und des Himmels Reif, wer gebiert ihn?
30Wie das Gestein verdichten sich die Wasser, und die Fläche der Tiefe schließt sich zusammen.
31Kannst du knüpfen das Gebinde des Siebengestirns, oder lösen die Fesseln des Orion?
32Kannst du die Bilder des Tierkreises hervortreten lassen zu ihrer Zeit, und den großen Bären leiten samt seinen Kindern?
33Kennst du die Gesetze des Himmels, oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?
34Kannst du deine Stimme zum Gewölk erheben, daß eine Menge Wassers dich bedecke?
35Kannst du Blitze entsenden, daß sie hinfahren, daß sie zu dir sagen: Hier sind wir?
36Wer hat Weisheit in die Nieren gelegt, oder wer hat dem Geiste Verstand gegeben?
37Wer zählt die Wolken mit Weisheit, und des Himmels Schläuche, wer gießt sie aus,
38wenn der Staub zu dichtem Gusse zusammenfließt und die Schollen aneinander kleben?
39Erjagst du der Löwin den Raub, und stillst du die Gier der jungen Löwen,
40wenn sie in den Höhlen kauern, im Dickicht auf der Lauer sitzen?
41Wer bereitet dem Raben seine Speise, wenn seine Jungen zu Gott schreien, umherirren ohne Nahrung?
Hiob 39
1Weißt du die Gebärzeit der Steinböcke? Beobachtest du das Kreißen der Hindinnen?
2Zählst du die Monde, die sie erfüllen, und weißt du die Zeit ihres Gebärens?
3Sie krümmen sich, lassen ihre Jungen durchbrechen, entledigen sich ihrer Wehen.
4Ihre Kinder werden stark, wachsen auf im Freien; sie gehen aus und kehren nicht zu ihnen zurück.
5Wer hat den Wildesel frei entsandt, und wer gelöst die Bande des Wildlings,
6zu dessen Hause ich die Steppe gemacht, und zu seinen Wohnungen das Salzland?
7Er lacht des Getümmels der Stadt, das Geschrei des Treibers hört er nicht.
8Was er auf den Bergen erspäht, ist seine Weide, und allem Grünen spürt er nach.
9Wird der Wildochs dir dienen wollen, oder wird er an deiner Krippe übernachten?
10Wirst du den Wildochs mit seinem Seile an die Furche binden, oder wird er hinter dir her die Talgründe eggen?
11Wirst du ihm trauen, weil seine Kraft groß ist, und ihm deine Arbeit überlassen?
12Wirst du auf ihn dich verlassen, daß er deine Saat heimbringe, und daß er das Getreide deiner Tenne einscheuere?
13Fröhlich schwingt sich der Flügel der Straußin: ist es des Storches Fittich und Gefieder?
14Denn sie überläßt ihre Eier der Erde und erwärmt sie auf dem Staube;
15und sie vergißt, daß ein Fuß sie zerdrücken und das Getier des Feldes sie zertreten kann.
16Sie behandelt ihre Kinder hart, als gehörten sie ihr nicht; ihre Mühe ist umsonst, es kümmert sie nicht.
17Denn Gott ließ sie der Weisheit vergessen, und keinen Verstand teilte er ihr zu.
18Zur Zeit, wenn sie sich in die Höhe peitscht, lacht sie des Rosses und seines Reiters.
19Gibst du dem Rosse Stärke, bekleidest du seinen Hals mit der wallenden Mähne?
20Machst du es aufspringen gleich der Heuschrecke? Sein prächtiges Schnauben ist Schrecken.
21Es scharrt in der Ebene und freut sich der Kraft, zieht aus, den Waffen entgegen.
22Es lacht der Furcht und erschrickt nicht, und kehrt vor dem Schwerte nicht um.
23Auf ihm klirrt der Köcher, der blitzende Speer und Wurfspieß.
24Mit Ungestüm und Zorn schlürft es den Boden, und läßt sich nicht halten, wenn die Posaune ertönt.
25Beim Schall der Posaune ruft es: Hui! und aus der Ferne wittert es die Schlacht, den Donnerruf der Heerführer und das Feldgeschrei.
26Schwingt sich der Habicht durch deinen Verstand empor, breitet seine Flügel aus gegen Süden?
27Oder erhebt sich auf deinen Befehl der Adler, und baut in der Höhe sein Nest?
28In den Felsen wohnt und verweilt er, auf Felsenzacken und den Spitzen der Berge.
29Von dort aus erspäht er Nahrung, in die Ferne blicken seine Augen.
30Und seine Jungen schlürfen Blut, und wo Erschlagene sind, da ist er.
Hiob 40
1(H39:31) Und Jehova antwortete Hiob und sprach:
2(H39:32) Will der Tadler rechten mit dem Allmächtigen? Der da Gott zurechtweist, antworte darauf!
3(H39:33) Und Hiob antwortete Jehova und sprach:
4(H39:34) Siehe, zu gering bin ich, was soll ich dir erwidern? Ich lege meine Hand auf meinen Mund.
5(H39:35) Einmal habe ich geredet, und ich will nicht mehr antworten, und zweimal, und ich will es nicht mehr tun.
6(H40:1) Und Jehova antwortete Hiob aus dem Sturme und sprach:
7(H40:2) Gürte doch wie ein Mann deine Lenden; ich will dich fragen, und du belehre mich!
8(H40:3) Willst du gar mein Recht zunichte machen, mich verdammen, damit du gerecht seiest?
9(H40:4) Oder hast du einen Arm wie Gott, und kannst du donnern mit einer Stimme wie er?
10(H40:5) Schmücke dich doch mit Erhabenheit und Hoheit, und kleide dich in Pracht und Majestät!
11(H40:6) Gieße aus die Ausbrüche deines Zornes, und sieh an alles Hoffärtige und erniedrige es!
12(H40:7) Sieh an alles Hoffärtige, beuge es, und reiße nieder die Gesetzlosen auf ihrer Stelle!
13(H40:8) Verbirg sie allesamt in den Staub, schließe ihre Angesichter in Verborgenheit ein!
14(H40:9) Dann werde auch ich dich preisen, daß deine Rechte dir Hilfe schafft.
15(H40:10) Sieh doch den Behemoth, den ich mit dir gemacht habe; er frißt Gras wie das Rind.
16(H40:11) Sieh doch, seine Kraft ist in seinen Lenden, und seine Stärke in den Muskeln seines Bauches.
17(H40:12) Er biegt seinen Schwanz gleich einer Zeder, die Sehnen seiner Schenkel sind verflochten.
18(H40:13) Seine Knochen sind Röhren von Erz, seine Gebeine gleich Barren von Eisen.
19(H40:14) Er ist der Erstling der Wege Gottes; der ihn gemacht, hat ihm sein Schwert beschafft.
20(H40:15) Denn die Berge tragen ihm Futter, und daselbst spielt alles Getier des Feldes.
21(H40:16) Unter Lotosbüschen legt er sich nieder, im Versteck von Rohr und Sumpf;
22(H40:17) Lotosbüsche bedecken ihn mit ihrem Schatten, es umgeben ihn die Weiden des Baches.
23(H40:18) Siehe, der Strom schwillt mächtig an, er flieht nicht ängstlich davon; er bleibt wohlgemut, wenn ein Jordan gegen sein Maul hervorbricht.
24(H40:19) Fängt man ihn wohl vor seinen Augen, durchbohrt man ihm die Nase mit einem Fangseile?
Hiob 41
1(H40:20) Ziehst du den Leviathan herbei mit der Angel, und senkst du seine Zunge in die Angelschnur?
2(H40:21) Kannst du einen Binsenstrick durch seine Nase ziehen, und seinen Kinnbacken mit einem Ringe durchbohren?
3(H40:22) Wird er viel Flehens an dich richten, oder dir sanfte Worte geben?
4(H40:23) Wird er einen Bund mit dir machen, daß du ihn zum ewigen Knechte nehmest?
5(H40:24) Wirst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel, und ihn anbinden für deine Mädchen?
6(H40:25) Werden die Fischergenossen ihn verhandeln, ihn verteilen unter Kaufleute?
7(H40:26) Kannst du seine Haut mit Spießen füllen, und seinen Kopf mit Fischharpunen?
8(H40:27) Lege deine Hand an ihn, gedenke des Kampfes, tue es nicht wieder!
9(H41:1) Siehe, eines jeden Hoffnung wird betrogen: wird man nicht schon bei seinem Anblick niedergeworfen?
10(H41:1) Niemand ist so kühn, daß er ihn aufreize. Und wer ist es, der sich vor mein Angesicht stellen dürfte?
11(H41:2) Wer hat mir zuvor gegeben? Und ich werde ihm vergelten. Was unter dem ganzen Himmel ist, ist mein.
12(H41:3) Nicht schweigen will ich von seinen Gliedern und von seiner Kraftfülle und von der Schönheit seines Baues.
13(H41:4) Wer deckte die Oberfläche seines Gewandes auf? In sein Doppelgebiß, wer dringt da hinein?
14(H41:5) Wer tat die Pforte seines Angesichts auf? Der Kreis seiner Zähne ist ein Schrecken.
15(H41:6) Ein Stolz sind seine starken Schilder, jedes einzelne verschlossen mit festem Siegel.
16(H41:7) Eines fügt sich ans andere, und keine Luft dringt dazwischen;
17(H41:8) Stück an Stück hangen sie fest zusammen, greifen ineinander und trennen sich nicht.
18(H41:9) Sein Niesen strahlt Licht aus, und seine Augen sind gleich den Wimpern der Morgenröte.
19(H41:10) Aus seinem Rachen gehen Fackeln, sprühen feurige Funken hervor.
20(H41:11) Aus seinen Nüstern fährt Rauch, wie aus einem siedenden Topfe und Kessel.
21(H41:12) Sein Hauch entzündet Kohlen, und eine Flamme fährt aus seinem Rachen.
22(H41:13) In seinem Halse wohnt Stärke, und die Angst hüpft vor ihm her.
23(H41:14) Die Wampen seines Fleisches schließen an, sind ihm fest angegossen, unbeweglich.
24(H41:15) Sein Herz ist hart wie Stein, und hart wie ein unterer Mühlstein.
25(H41:16) Vor seinem Erheben fürchten sich Starke, vor Verzagtheit geraten sie außer sich.
26(H41:17) Trifft man ihn mit dem Schwerte, es hält nicht stand, noch Speer, noch Wurfspieß, noch Harpune.
27(H41:18) Das Eisen achtet er für Stroh, das Erz für faules Holz.
28(H41:19) Der Pfeil jagt ihn nicht in die Flucht, Schleudersteine verwandeln sich ihm in Stoppeln.
29(H41:20) Wie Stoppeln gilt ihm die Keule, und er verlacht das Sausen des Wurfspießes.
30(H41:21) Unter ihm sind scharfe Scherben; einen Dreschschlitten breitet er hin auf den Schlamm.
31(H41:22) Er macht die Tiefe sieden wie einen Topf, macht das Meer wie einen Salbenkessel.
32(H41:23) Hinter ihm leuchtet der Pfad, man könnte die Tiefe für graues Haar halten.
33(H41:24) Auf Erden ist keiner ihm gleich, der geschaffen ist ohne Furcht.
34(H41:25) Alles Hohe sieht er an; er ist König über alle wilden Tiere.
Hiob 42
1Und Hiob antwortete Jehova und sprach:
2Ich weiß, daß du alles vermagst, und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann.
3Wer ist es, der den Rat verhüllt ohne Erkenntnis? So habe ich denn beurteilt, was ich nicht verstand, Dinge, zu wunderbar für mich, die ich nicht kannte.
4Höre doch, und ich will reden; ich will dich fragen, und du belehre mich!
5Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen.
6Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche.
7Und es geschah, nachdem Jehova diese Worte zu Hiob geredet hatte, da sprach Jehova zu Eliphas, dem Temaniter: Mein Zorn ist entbrannt wider dich und wider deine beiden Freunde; denn nicht geziemend habt ihr von mir geredet, wie mein Knecht Hiob.
8Und nun nehmet euch sieben Farren und sieben Widder, und gehet zu meinem Knechte Hiob und opfert ein Brandopfer für euch. Und Hiob, mein Knecht, möge für euch bitten; denn ihn will ich annehmen, damit ich nicht an euch tue nach eurer Torheit; denn nicht geziemend habt ihr von mir geredet, wie mein Knecht Hiob.
9Da gingen Eliphas, der Temaniter, und Bildad, der Schuchiter, und Zophar, der Naamathiter, und taten, wie Jehova zu ihnen geredet hatte; und Jehova nahm Hiob an.
10Und Jehova wendete die Gefangenschaft Hiobs, als er für seine Freunde betete; und Jehova mehrte alles, was Hiob gehabt hatte, um das Doppelte.
11Und es kamen zu ihm alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle seine früheren Bekannten; und sie aßen mit ihm in seinem Hause, und sie bezeugten ihm ihr Beileid und trösteten ihn über all das Unglück, welches Jehova über ihn gebracht hatte; und sie gaben ihm ein jeder eine Kesita, und ein jeder einen goldenen Ring.
12Und Jehova segnete das Ende Hiobs mehr als seinen Anfang; und er bekam vierzehntausend Stück Kleinvieh und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder und tausend Eselinnen.
13Und es wurden ihm sieben Söhne und drei Töchter geboren.
14Und er gab der ersten den Namen Jemima, und der zweiten den Namen Kezia, und der dritten den Namen Keren-Happuk.
15Und so schöne Frauen wie die Töchter Hiobs wurden im ganzen Lande nicht gefunden. Und ihr Vater gab ihnen ein Erbteil inmitten ihrer Brüder.
16Und Hiob lebte nach diesem hundertvierzig Jahre; und er sah seine Kinder und seine Kindeskinder, vier Geschlechter.
17Und Hiob starb, alt und der Tage satt.
Elberfelder Bibel (1905), gemeinfrei. Abgerufen von getbible.net; Verse werden nie von Hand getippt oder erzeugt.