2. Mose 20,2
Ich bin Jehova, dein Gott, der ich dich herausgeführt habe aus dem Lande Ägypten, aus dem Hause der Knechtschaft.
2. Mose 20,3
Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
2. Mose 20,12
Ehre deinen Vater und deine Mutter, auf daß deine Tage verlängert werden in dem Lande, das Jehova, dein Gott, dir gibt.
2. Mose 20,13
Du sollst nicht töten.
2. Mose 20,14
Du sollst nicht ehebrechen.
2. Mose 20,15
Du sollst nicht stehlen.
2. Mose 20,16
Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten.
2. Mose 20,17
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus; du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, noch seinen Knecht, noch seine Magd, noch sein Rind, noch seinen Esel, noch alles, was dein Nächster hat.
Matthäus 22,37
Er aber sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstande".
Matthäus 22,38
Dieses ist das große und erste Gebot.
Matthäus 22,39
Das zweite aber, ihm gleiche, ist: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst".
Matthäus 22,40
An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Zuerst die Befreiung, dann das Gebot am Sinai
Ein häufiges Missverständnis über die Zehn Gebote besteht darin, sie als eine Art Prüfungsliste zu sehen, mit der Israel sich Gottes Zuwendung erst verdienen musste. Wer jedoch lernt, die Bibel im Zusammenhang zu lesen, erkennt im 2. Buch Mose genau die umgekehrte Reihenfolge.
Gott hörte zuerst das Schreien seines versklavten Volkes, rettete es beim Zug durchs Rote Meer und trug es durch die Wüste, bevor er am Sinai die Gebote gab. Darum beginnt 2. Mose 20,2 nicht mit einer Forderung, sondern mit einem Zuspruch der Gnade: Gott erinnert Israel daran, dass er der Herr ist, der sie aus dem Diensthaus Ägypten herausgeführt hat. Die Gebote sind Wegweiser der Freiheit, damit ein befreites Volk nicht wieder in neue Unterdrückung zurückfällt.
Die zwei Tafeln des Bundes
Im Hebräischen heißen die Zehn Gebote schlicht die „Zehn Worte“. Seit alters her betrachtet man sie in zwei zusammenhängenden Teilen: der Beziehung zu Gott und dem Umgang mit den Mitmenschen.
Treue und Ehrfurcht gegenüber Gott (2. Mose 20,3–11)
Die ersten Gebote klären, wer Gott ist und wie der Mensch ihm begegnet:
- Ungeteilte Treue: Keine anderen Götter neben dem Herrn zu haben, befreit davon, geschaffene Dinge zu vergöttern.
- Verzicht auf Götzenbilder: Der lebendige Schöpfer lässt sich nicht in ein handliches Bild aus Holz oder Metall bannen, über das Menschen verfügen könnten.
- Achtung vor Gottes Namen: Gottes Namen nicht zu missbrauchen heißt, ihn niemals für Unwahrheit, falsche Schwüre oder fromme Täuschung einzuspannen.
- Der Ruhetag des Sabbats: Für ehemalige Sklaven, die keinen freien Tag kannten, war der wöchentliche Ruhetag für alle – einschließlich der Knechte, Mägde und Fremden – ein Schutzraum der Menschenwürde.
Schutz des Nächsten und der Gemeinschaft (2. Mose 20,12–17)
Die zweite Hälfte schützt die verletzlichen Grundgüter des Zusammenlebens:
- Vater und Mutter ehren: Achtung und Fürsorge zwischen den Generationen geben einer Gesellschaft Halt.
- Schutz von Leben, Ehe, Eigentum und Wahrheit: Die Gebote gegen Mord, Ehebruch, Diebstahl und falsches Zeugnis vor Gericht schützen die Unversehrtheit des Nächsten sowie den Bund, den der Beitrag „Was sagt die Bibel über Ehe und Liebe?“ näher beleuchtet.
- Das Herz vor Habgier bewahren: Das letzte Gebot richtet den Blick auf das innere Begehren und berührt sich eng mit dem, was die Bibel über Geld und Zufriedenheit sagt.
Wie Jesus die Gebote vertieft und zusammenfasst
In der Bergpredigt machte Jesus deutlich, dass Gottes Gebote nicht bei der bloßen Außenseite stehenbleiben, sondern bis in die Gedanken und Motive des Herzens reichen.
Das höchste Gebot der Liebe (Matthäus 22,37–40)
Als ein Gesetzesgelehrter Jesus in Matthäus 22 fragte, welches das größte Gebot im Gesetz sei, verband Jesus 5. Mose 6,5 und 3. Mose 19,18 miteinander: Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Verstand zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Praktische Schritte für den Alltag
- Nutze die Gebote als Spiegel zur Selbstprüfung: Wende die Zehn Gebote nicht als Maßstab gegen andere an, sondern lass sie dein eigenes Reden, Ruhen und Handeln prüfen.
- Frage nach der positiven Einladung hinter jedem Gebot: Jedes „Du sollst nicht“ schützt einen Lebensraum – das Verbot der Lüge ruft zu Verlässlichkeit, das Verbot des Stehlens zu Großzügigkeit.
- Verbinde die Einsicht mit dem Gebet: Wo du merkst, dass es dir an Liebe zu Gott oder zum Nächsten gefehlt hat, übe wahre biblische Umkehr und bitte Gott um einen neuen Anfang.
Häufige Fragen
01Wo stehen die Zehn Gebote in der Bibel?
Die Zehn Gebote finden sich zuerst in 2. Mose (Exodus) 20,1–17 nach dem Auszug aus Ägypten und werden in 5. Mose (Deuteronomium) 5,6–21 von Mose vor dem Einzug in das verheißene Land noch einmal eingeschärft.
02Warum zählen verschiedene Kirchen die Zehn Gebote leicht unterschiedlich?
Der hebräische Bibeltext enthält keine Nummerierung. Jüdische, orthodoxe, reformierte, katholische und lutherische Traditionen bewahren denselben biblischen Wortlaut, fassen aber entweder die ersten Sätze über fremde Götter und Bilder oder die letzten Sätze über das Begehren unterschiedlich zusammen.
03Welche Bedeutung haben die Zehn Gebote für Christen heute?
Christen werden nicht durch Gesetzeswerke gerettet, sondern aus Gnade. Dennoch bekräftigen Jesus und die Apostel den ethischen Kern der Gebote und zeigen, dass gelebte Liebe zu Gott und zum Nächsten genau das erfüllt, worauf die Gebote zielen.