Epheser 6,10

Übrigens, Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.

Epheser 6,11

Ziehet an die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr zu bestehen vermöget wider die Listen des Teufels.

Epheser 6,13

Deshalb nehmet die ganze Waffenrüstung Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet habt, zu stehen vermöget.

Epheser 6,14

Stehet nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit,

Epheser 6,15

und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens,

Epheser 6,16

indem ihr über das alles ergriffen habt den Schild des Glaubens, mit welchem ihr imstande sein werdet, alle feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen.

Epheser 6,17

Nehmet auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist;

Epheser 6,18

zu aller Zeit betend mit allem Gebet und Flehen in dem Geiste, und eben hierzu wachend in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen,

Der Schlussruf eines Briefes über Einheit und Frieden

Der Epheserbrief entfaltet über fünf Kapitel hinweg, wie Gott in Christus eine zerrissene Welt versöhnt und eine neue Gemeinschaft des Friedens stiftet. Erst ganz am Schluss des Schreibens – in Kapitel 6, Verse 10 bis 18 – greift Paulus zu dem bekannten Bild der Waffenrüstung Gottes. Wie der Philipperbrief entstand auch der Epheserbrief in Gefangenschaft, während Paulus als „Gesandter in Ketten" (Epheser 6,20) römische Wachsoldaten vor Augen hatte. Doch wenn Paulus die Rüstung beschreibt, denkt er vor allem an das Alte Testament – insbesondere an Jesaja 59,17, wo Gott selbst Gerechtigkeit als Brustharnisch und Heil als Helm anlegt. Sie heißt „Waffenrüstung Gottes", weil diese Eigenschaften zuerst Gottes eigenes Wesen beschreiben.

Ein Gang durch Epheser 6,10–18

Der Ruf, in geschenkter Kraft standzuhalten (Epheser 6,10–13)

Paulus beginnt den Abschnitt mit der Ermutigung, stark zu sein in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke und die ganze Waffenrüstung Gottes anzuziehen. Auffällig ist, dass das leitende Verb in den Versen 11, 13 und 14 nicht „angreifen" heißt, sondern „stehen" und „widerstehen". Zudem stehen sämtliche Aufforderungen im griechischen Text in der Mehrzahl: Angesprochen ist nicht ein einzelner Kämpfer auf sich allein gestellt, sondern die Gemeinde, die gemeinsam standhält.

Gürtel der Wahrheit, Brustharnisch der Gerechtigkeit und Schuhe des Friedens (Epheser 6,14–15)

Die ersten drei Stücke werden fest am Körper getragen:

  • Umgürtet an den Lenden mit Wahrheit (6,14a): Wie der Gürtel das weite Gewand zusammenhielt, damit man frei gehen konnte, gibt Gottes Wahrheit und innere Aufrichtigkeit dem Leben Halt ohne Falschheit.
  • Der Brustharnisch der Gerechtigkeit (6,14b): Im Anklang an Jesaja 59,17 schützt sowohl die von Gott geschenkte Gerechtigkeit als auch ein aufrichtiges Handeln das Herz vor Anklage und Resignation.
  • Beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens (6,15): In einem eindrucksvollen Kontrast trägt dieser geistliche Streiter an den Füßen keine Stiefel der Gewalt, sondern die Bereitschaft, die Botschaft des Friedens weiterzutragen (wie in Jesaja 52,7).

Schild, Helm, Schwert und unablässiges Gebet (Epheser 6,16–18)

Die nächsten Verse richten den Blick auf das, was in der Stunde der Anfechtung aufgenommen wird:

  • Der Schild des Glaubens (6,16): Das griechische Wort bezeichnet den großen, türförmigen Langschild, hinter dem ein ganzer Körper Schutz fand und mit dem brennende Pfeile gelöscht wurden. Das Vertrauen auf Gottes Treue löscht plötzliche Gedanken der Angst und des Zweifels.
  • Der Helm des Heils und das Schwert des Geistes (6,17): Die Gewissheit der Rettung bewahrt das Denken, während das einzige aktive Werkzeug der ganzen Rüstung Gottes Wort ist – Wahrheit, die vom Geist getragen wird, nicht menschliche Härte.
  • Allezeit betend im Geist (6,18): Das Bild der Rüstung mündet unmittelbar in das wache, ausdauernde Gebet füreinander; das Gebet ist der Raum, in dem jedes einzelne Stück dieser Rüstung lebendig wird.

Fragen für das eigene Weiterlesen

Wenn du Epheser 6 im Zusammenhang liest, nimm diese Fragen mit:

  • Wie verändert sich dein Blick auf die „Waffenrüstung Gottes", wenn du bedenkst, dass im Buch Jesaja Gott selbst zuerst Gerechtigkeit und Heil als Rüstung trägt?
  • Warum ist es so bemerkenswert, dass das Schuhwerk inmitten geistlicher Auseinandersetzungen „die Bereitschaft des Evangeliums des Friedens" ist?
  • Wer in deinem Umfeld braucht heute das wache, beharrliche Gebet, zu dem Paulus in Vers 18 einlädt?

Weiterlesen

Entdecke weitere Texte zum Thema Stärke im Lesesaal, lies unsere Lektion Die Bibel im Zusammenhang lesen aus Philipper 4 oder vergleiche damit die Frucht des Geistes in Galater 5.

Häufige Fragen

01Aus welchen sechs Teilen besteht die Waffenrüstung Gottes in Epheser 6?

In Epheser 6,14–17 nennt Paulus die mit Wahrheit umgürteten Lenden, den Brustharnisch der Gerechtigkeit, die mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens beschuhten Füße, den Schild des Glaubens, den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist.

02Woher stammt das Bild der Waffenrüstung Gottes im Alten Testament?

Noch vor dem Blick auf die römische Rüstung schöpft Paulus aus Jesaja 59,17 und Jesaja 11,5, wo Gott selbst Gerechtigkeit wie einen Brustharnisch anlegt und den Helm des Heils auf sein Haupt setzt.

03Warum wiederholt Paulus in Epheser 6,10–14 viermal das Wort „stehen“?

Die Aufforderung „zu stehen“ macht deutlich, dass die Gemeinde nicht aus eigener Kraft Boden erobern muss, sondern in der Versöhnung, Einheit und Gnade festbleiben soll, die Gott in Christus bereits geschaffen hat.

Quellen

  1. Epheser 6 (Elberfelder 1905)
  2. Jesaja 59 (Elberfelder 1905)